Verdeckte Dreharbeiten / von Ernest Buck
Hintergrund: Unser kleiner Mischlingshund Maxe wird durch einen völlig unmotivierten Beißangriff eines Bullterriers schwer verletzt. Wo werden diese Kampfhunde in Brandenburg gezüchtet? Mit welchen kriminellen Tricks werden gesetzliche Haltung, Zucht und Verkaufsverbote umgangen?Fragen, ich möchte Antworten darauf.
Für die Recherche erfinde ich eine Legende, werde zu einem anderen Menschen. Ernest Stör, Rollstuhlfahrer mit großem Grundstück, der aus Angst vor Einbrüchen einen sehr "stabilen, großen" Hund kaufen will. Von den Hundeverkäufern will ich außerdem Ratschläge, wie ich einen Kampfhund unerlaubt halten und bei den zuständigen Behörden trotz Kampfhunderasse anmelden kann.
Einige Recherchetage später, Volltreffer! Mir wird ein reinrassiger Kampfhundewelpe als "super Wachhund" angeboten! Das Angebot ist das ultimative "Kampfhundewelpen Käufer Service Paket". Die Verkäuferin aus Brandenburg bietet nicht nur einen Kampfhundewelpen der Rasse Staffordshire Bullterrier an. Als Zugabe, ein Tierarzt, der Kampfhundewelpen als "Mischling" chipt, die wirkliche Rasse dadurch verschleiert. Ich werde zum Scheinkäufer. Zwischenzeitlich hatte ich Kontakt zu meinem Freund, von Beruf Redakteur bei dem TV-Magazin Frontal 21, ZDF, aufgenommen.
In der Vergangenheit haben wir schon gemeinsam für Frontal 21 Reportagen produziert. Ich vertraue meinem Freund und der Frontal 21 Redaktion. Mit journalistischer Sorgfalt werden die Reportagen vorbereitet, Fakten penibel recherchiert. Die Drehplanung des Kampfhundewelpenkaufes vor versteckter Kamera, mit mir als Käufer, Strohmann, beginnt. Die Dreharbeiten müssen sehr kurzfristig realisiert werden. Viele Interessenten wollen kleine Kampfhunde kaufen.
Der verbotene Kampfhundehandel blüht. Die Verkäuferin ist nur über Handy erreichbar und gibt keine Wohnadresse heraus. Konspirativer geht es kaum. Erreichen wir den Ort Boddin in Brandenburg, den Treffpunkt, soll ich per Handy Kontakt mit der Verkäuferin aufnehmen. Wie es dann weitergeht, wer und was uns dort erwartet, ungeklärte Fragen. Nicht gerade beruhigend. Der Termin für die verdeckten Dreharbeiten steht.
Der Abend vor dem Dreh, meine Anspannung steigt. Die innere Stimme sagt mir: diese Züchterin, Verkäuferin von Kampfhunden, ist sicher keine nette, ältere Rentnerin. Am Morgen des Drehtages. Das Team von Frontal 21 trifft ein.
Letzte Drehbesprechung, die Technikausrüstung beginnt.
Kabel und Gerät müssen am Körper versteckt werden. Kamerafrau Susi wird als meine Begleitung agieren und mit einer winzigen Brillenkamera das Geschehen filmen. Jörg, Kameramann Kalle wollen versuchen uns zu folgen.
Die Rolle als Strohmann und Scheinkäufer habe ich die ganze vorherige Nacht immer wieder durchgespielt. Nun erkläre ich Susi meine geplante Vorgehensweise beim Dreh. Jörg hat Kontakt zu den Behörden vor Ort, diese informiert und man kooperiert mit uns. Ein unkalkulierbares Risiko bleibt. In ihrer Westentasche platziert Susi die kleine Kamera, die alle Signale der Brillenkamera aufzeichnen wird. Die Bedienung der Kamera, Austausch der nur kurzlebigen Akkus, wird Susi viel Geschick abverlangen. Die Anspannung steigt. Wir wollen gerade in zwei verschiedenen Fahrzeugen aufbrechen. Anruf bei Jörg. Er wird darüber unterrichtet, dass die Verkäuferin und ihr Lebensgefährte bei den Behörden nicht unbekannt sind. Abbruch der Drehaktion? Nein!
Wir fahren los. Ich sitze bis zum Treffpunkt mit Jörg im Fahrzeug.
Wir reden über Familie, andere Dinge, nur nicht immer an die vielleicht drohende Gefahr denken. Susi und ich werden beim Kauf des Welpen mit Verkäuferin und Lebensgefährten, auch beim Tierarzt, alleine agieren müssen. Kurz vor dem Treffpunkt. Fahrzeugwechsel, Susi steigt zu mir ein.
Treffpunkt Boddin. Ich rufe die Verkäuferin an. Verabredungszeichen blauer Jeep. Susi schaltet schnell die Geräte ein. Hoffentlich entdeckt niemand die Kabel und Geräte!Die Verkäuferin erscheint. Wir sollen ihrem Jeep folgen. Wir fahren von der unbelebten Dorfstraße in ein Waldstück hinein. Kein Haus mehr weit und breit. Susi und ich folgen weiter dem blauen Jeep. Mitten in der Botanik. Ein einsam gelegenes Haus mit hohem, dichtem Brettergartenzaun. Wir fahren hinter dem Jeep durch das geöffnete Tor. Tristesse pur! In zwei Zwingern sehe ich Hunde. Darunter eine Kampfhündin, hängendes Gesäuge, vor kurzem hat sie Junge geworfen. Der Lebensgefährte der Verkäuferin erscheint. Susi und ich tauschen versteckte Blicke aus.
Mein Verstand sagt mir: Nicht nur unerlaubte Kampfhunde leben hier, sondern auch rechte Gesinnung! Auf dem Grundstück drei Kampfhunde, behördlich nicht genehmigt.
Ein Kampfhundeschwarzmarkt. Der kleine Kampfhundewelpe, "Werner", begrüßt mich freundlich. Der Hund, den ich kaufen werde. Ob der kleine Hund weiß, dass er bei falscher Haltung und Erziehung aufgrund Rasse sowie Kraft, ein riesiges Gefahrenpotenzial für Mensch und Tier ist? Es gibt Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten. Unsere Tarnung wackelt! Letztendlich die Bilder, die wir drehen wollten, auch beim Tierarzt. Die Bilder der Dreharbeiten ein Dokument über die Gewissenlosigkeit von Menschen. Kampfhunde, eine begehrte Ware, in den falschen Händen eine lebende Waffe. Ich hoffe, "Werner", den kleinen Staffordshire Bullterrier ein Schicksal als Killerhund erspart zu haben. Wir werden ein neues Zuhause finden, wo er bei verständnisvollen, erfahrenen Hundehaltern als Familienhund leben kann.