Interview mit dem Schiffsjungen Klaus Arlt

Klaus Arlt  -  Ein Schiffsjunge erinnert sich.

 

Als junger Mann v.on 19 Jahren heuerte Klaus Arlt 1956 auf dem Segelschiff "Passat" an. Sein großer Traum war eigentlich die "Pamir".  Dort wollten alle damaligen schiffsbegeisterten Jugendlichen an Bord. Warum weiß keiner mehr genau, vermutlich war die "Pamir" "cooler", weil sie früher gebaut und immer  an erster Stelle genannt wurde, wenn die identischen Schwesternschiffe "Pamir- Passat" erwähnt wurden. Für viele war dieser Wunsch die "Freikarte in den Tod".

Herr Arlt, wie sind Sie zur Seefahrt gekommen?

KA:  Mein Vater hatte eine Reederei und ich sollte in seine Fußstapfen treten, hatte natürlich keine Ahnung von Seefahrt und deswegen war eine Ausbildung dringend notwendig. Schließlich sollte ich als Reedereikaufmann wenigstens wissen, wovon ich rede.

Und Sie versuchten auch auf die Pamir zu kommen?

KA: Das war der große Traum von uns allen zu damaliger Zeit. Insgesamt waren wir 30 Schiffsjungen, die die Grundausbildung auf dem Segelschulschiff "Deutschland" absolvierten und dann der "Pamir" oder der "Passat" zugeteilt wurden. Viele meiner Kumpels bekamen den Zuschlag für die "Pamir", ich musste als einziger auf die "Passat" und war davon absolut nicht begeistert! Heute denke ich natürlich etwas anders darüber.

Hat ihnen die Ausbildung gefallen?

KA: Ich kann mich noch sehr gut an die Landgänge auf St.Pauli erinnern! Natürlich konnten wir als Schiffsjungen keine großen Sprünge mit unseren 5 Mark Taschengeld erlauben und haben uns dort mehr im Kino, als mit den Mädels herum gedrückt - aber ab und zu war "Tanz der rauen Hände." Das war der "Dienstmädchenausgang" und auf diesen Tanzveranstaltungen haben wir dann auch eine abgekriegt. Die Ausbildung zum Schiffsjungen und später zum Jungmann hat mir für mein Leben sehr gut getan. Ich wurde nicht nur an Land zum Mann.

Sie waren letztlich noch Kinder.

KA: Richtig! Die Ausbildung war teilweise die einsamste Zeit in meinem Leben, aber, wie ich immer sage, Unkraut vergeht nicht! Bei dieser Ausbildung musste ich innerhalb von drei Tagen vom verwöhnten Piesepampel zum disziplinierten Seefahrer werden. Disziplin und Kameradschaft standen an erster Stelle. Und ich wollte unbedingt zur See fahren - allerdings hatte ich auch keine große Alternative, denn in der Schule war ich wirklich verdammt schlecht und dort hatte ich wenig Zukunft!

Und dann ging der Moses an Bord?

KA: Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit meinem Seesack durch den alten Hamburger Elbtunnel marschiert bin und Magengrummeln hatte. Das sollte nun meine Zukunft werden: Die "Passat" lag auf der anderen Seite des Hafens bei Blohm und Voss und war auslaufbereit. Die große weite Welt wartete auf mich.

Wie war das Leben an Bord?

KA: Diszipliniert! Wir lebten mit dreißig Mann in einem Raum und schliefen in Hängematten übereinander. Da muss man schon sehr auf Kameradschaft bedacht sein, wenn man dermaßen eng aufeinander hockt. Das hat nichts mit der Kreuzschifffahrt A la Hotelbetrieb zu tun, die ein Tourist kennt. Auch der Tagesablauf war sehr strikt durchorganisiert. Man hatte vier Stunden Wache, dann vier Stunden Schlaf. Zwischendurch gab's dann auch noch die Hängemattenkontrolle.

Man kann sich vorstellen, dass ein junger Mann dabei etwas unglücklich ist.

KA: Klar war es hart, aber unglücklich war ich keineswegs! Ich kann mich an das Kartoffelschälen um fünf Uhr morgens für 86 Mann erinnern. Die Finger waren wund, aber dabei wurden Geschichten erzählt, Seemannsgarn gesponnen oder politisch und wirtschaftlich philosophiert. Das waren tolle Eindrücke für einen jungen Mann wie mich!

Kam es nicht zu Spannungen zwischen den Männern an Bord?

KA: Natürlich standen wir alle in Saft und Kraft und hatten selbst bei diesem harten Seemannsleben noch überschüssige Kräfte. Im Streitfall gab es bei den niedrigeren Rängen einen fairen Boxkampf an Deck, die höheren Ränge legten ihre Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten bei einem Schachspiel bei. Ich selbst habe mich immer erfolgreich vor Prügeleien gedrückt, h war sowieso einer der Kleinsten und hätte verloren.

Aber bei der Äquatortaufe waren Sie dran?

KA: Da wurden alle Neulinge gequält, die den Äquator passierten. Zwar wurde man nicht "Kiel geholt", aber man stopfte uns dermaßen eklige Sachen in den Mund, dass wir uns alle übergeben mussten. Das war Quälerei pur.

Das verbindet bestimmt fürs Leben?

KA: Fürs Leben wäre etwas übertrieben. Es waren viele "Blaublütige" dabei, die später als Offiziere arbeiten wollten und auf diesem Wege ihr Image polierten.. Da gab es gewisse Schichtunterschiede, die dann im späteren Leben Kontakte vermieden haben.

Was war denn Ihre schönste Situation an Bord?

KA: Das waren die Tage, in denen wir, weil die Temperatur hoch war, an Deck geschlafen  haben und man kurz vor dem Einschlafen in den Mast blickte und den Sternenhimmel beobachtete. Ich bin einer der letzten Menschen gewesen, die das noch erleben durften!

Und der lustigste Moment?

KA: Eindeutig, als ein Matrose sämtliche Präservative an Bord geklaut hatte, um sie teuer an Land zu verscherbeln. Wir lagen vor Argentinien und nichts ging! Wenn wir gedroht hätten, wären die erst recht nicht wieder aufgetaucht und das Durchsuchen des gesamten Schiffes hat nichts gebracht. Also sind wir dem Dieb auf "moralisch" gekommen und auf diesem Weg tauchte zumindest die Hälfte wieder auf.
Sehr schön waren auch immer die Versteigerungen! Wenn jemand unordentlich war und seine Wäsche herumliegen ließ, dann wurde die eingesammelt und man konnte sie sich öffentlich wieder ersteigern, war ein echter Klamauk!

Und der beeindruckendste Moment?

KA: Die letzte Begegnung mit unserem Schwesternschiff, der gesunkenen "Pamir". Das war bei meiner zweiten Fahrt, ich war schon Jungmann, als der Schiffsjunge plötzlich "Turm voraus" entdeckte und meldete. Mitten auf dem Meer trafen wir die Pamir und veranstalteten ein Wettsegeln. Es war die Fahrt, auf der die "Pamir" dann später gesunken ist. Ich gehöre also ebenso zu den letzten Menschen, die die "Pamir" gesehen haben. Als wir dann später an Bord hörten, dass unser Schwesternschiff gesunken ist, konnten wir es nicht glauben. Die Kommunikation war ja damals noch nicht so gut und die Meldungen unterschieden sich voneinander. Es war der blanke Horror - fast jeder kannte jemanden auf dem Schwesternschiff!

Sie selbst kamen dann ja mit der "Passat" auch noch in Seenot?

KA:  Das war dann kurze Zeit später, nachdem die "Pamir" untergegangen war. Wir kamen in einen Hurricane und hatten 50-55 Grad° Schräglage. Das war an der absoluten Grenze. Ein Windhauch mehr und wir wären auch gekentert.

Hatten Sie keine Todesangst, nachdem nun schon die "Pamir" gesunken war?

KA: Ich hatte mit dem Leben abgeschlossen. Während die anderen "Mutti ich will nicht sterben" schrien, bin ich völlig emotionslos auf dem Deck entlang gehangelt und habe Fotos gemacht. Diese Bilder kann man in meinem Pamir-Passat-Kalender sehen, Ich weiß auch nicht, warum ich total abschaltete. Vielleicht lag es daran, dass ich in den Kriegswirren ohne Elterhaus aufgewachsen bin und das Wort Angst irgendwie nicht zu meinem gefühlsmäßigen Repertoire gehörte. Ich wusste, dass dieser Hurricane eigentlich nicht gut gehen kann, aber ich stand absolut über den Dingen.

Aber es ist ja dann doch noch ganz knapp gut gegangen.

KA: Zumindest haben wir, im Gegensatz zu den 80 Kameraden auf der "Pamir" überlebt. Allerdings wurde die Segelschifffahrt danach eingestellt und die "Passat" außer Dienst gestellt.

Sind Sie manchmal noch in Lübeck und besuchen Ihr altes Schiff?

KA: Ja sicher, ich glaube, wer das einmal mitgemacht hat, den lässt es sein Leben nicht mehr los! Diese Zeit hat mich für mein späteres Leben geprägt: Wir haben Hilfsbereitschaft erlernt, standen in brenzligen Situationen Schulter an Schulter, halfen den Schwächren und haben als einige der letzten Menschen noch wirklich Seefahrts-Romantik erlebt!

Noch heute fährt Klaus Arlt regelmäßig in den Hamburger Hafen und schaut auf seinen alten Arbeitsweg, den alten Elbtunnel. Einen Blick auf die "Rickmer Rickmers", das ebenfalls ausrangierte Segelschiff und einen Blick auf die Werft von Blohm und Voss, wo auch die "Pamir" und "Passat" früher gewartet wurden. Und manchmal, wenn Klaus Arlt besonders viel Glück hat, dann besucht ein noch aktives Segelschiff den Hamburger Hafen: Als die "Gloria" aus Kolumbien an den Landungsbrücken war, ließ Klaus Arlt es sich nicht nehmen, Kapitän Gabriel Perez eigenhändig seinen Kalender mit den alten Pamir-Passat-Fotos zu überreichen!

Christian Pantel

Mehr Info: www.ss-passat.de
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Strahlende weiße Zähne, leuchtende Augen – Roberto Blanco scheint derzeit ein sehr zufriedener Mann zu sein! Zwar ist die Scheidung von Mireille noch nicht komplett in trockenen Tüchern, doch man will die Trennung wohlwollend und kooperativ über die Bühne bekommen. Die neue Frau an seiner Seite, Luzandra Straßburg, freut es und Roberto schaut in eine glücklich verliebte Zukunft. Auf den Seychellen gab sich das Paar schon das Ja-Wort. Natürlich muss die Hochzeit noch in Deutschland anerkannt werden, ein Bigamist will Roberto nicht sein!

Der Altersunterschied von fast 4o Jahren lässt den 74jährigen kalt. „Liebe kennt keine Altersgrenze“ sagt er, „ich betrachte mich einfach als zweimal gefühlte 35!“

Natürlich kann es immer wieder Probleme bei Partnerschaften geben. Das weiß Roberto Blanco nur zu gut. Gemeinsamkeiten müssen vorhanden sein. „Luzandra und ich kommen beide aus Kuba, unsere Familien leben sogar im gleichen Dorf“, führt er aus und sieht somit keine kulturellen oder sprachlichen Differenzen. „Das hat von Anfang an gepasst und war Liebe auf den ersten Blick! Wir saßen in derselben Limousine, die uns zu einer Veranstaltung fuhr und der Funken sprang sofort über.“  

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