Echt?. oder vorgetäuscht?.
- Der Orgasmus -
Nichts einfacher als das: Po zusammenkneifen, Beckenboden anspannen, Gesicht schmerzvoll verziehen, so stöhnen, als ob man einen Eimer kaltes Wasser ins Gesicht kriegt. Zur Krönung laut "Ich komme!" rufen. Über Sinn und Unsinn dieser beziehungspolitischen Taktik sollte man sich aber vorher im Klaren sein.
Wer als Kerl locker aus der Hüfte kreisend agieren kann, hat die Kür schon halb gewonnen. Unbedingt vermeiden: Wenn die Dame gerade hörbar Anlauf nimmt, den Gipfel zu erobern, einen komplizierten Stellungswechsel vorschlagen oder gar unterbrechen; das ist so, als ob jemand bei Tempo 180 auf der Autobahn die Handbremse anzieht. Besser: schön die eingeschlagene Richtung beibehalten! Sexkünstlerinnen beglücken den Mann mit leicht sadistischer Dominanz: Sie lassen ihn erst kommen, wenn er verzweifelt um Gnade bettelt. Die Zwei-Minuten-Nummer hat er ohnehin schon für sich gepachtet
Frauen attestieren Männern ein ebenso großes Interesse an Qualität. Damit überschätzen sie die Männer aber ständig. Umgekehrt glauben Männer, dass Frauen ebenso an Quantität interessiert seien wie sie selbst, die gejagt sind von ihrem explosiven Trieb. Das ist die Tragik des Mannes: Er ist lebenslang gefangen in einer Illusion, die sich nie erfüllen wird.
Wie überwindet man diese Hürde?
Am wichtigsten: Gelassener rangehen, ohne olympische Ideale. Für mehr Lust sollten sich Frauen männlichere Eigenschaften angewöhnen: Klarer artikulieren, fordernder und energischer agieren; nicht umsonst erleben sie mit dem männlichen Hormon Testosteron intensivere Orgasmen.
Der Sinn des „Kommens":
Bei den Männern ist die Sache klar: Möglichst viel Samen verstreuen, so lautet der grobe evolutionäre Auftrag.
Beim weiblichen Orgasmus war lange die "Upsuck-Theorie" populär: Frauen könnten dadurch leichter schwanger werden, da das Sperma mit Hilfe der Kontraktionen schneller zur Eizelle gelange.
"Falsch", wie eine neue Studie ergab!
Das Sperma wird nicht angesaugt, sondern sogar weggedrückt." Außerdem erreicht die Orgasmusfrequenz der Frau erst ihren Gipfel, wenn ihre Fruchtbarkeit abnimmt. Fazit: "Der weibliche Orgasmus hat keine biologische Funktion für die Fortpflanzung. Er ist ein reines Vergnügen, schön und zwecklos!
Gerade mal 9 Stunden und 20 Minuten lang schwelgt der heterosexuelle Mann im orgiastischem Rausch – in seinem ganzen Leben. Grundlage ist die Annahme, dass der männliche Höhepunkt etwa 12,2 Sekunden anhält. Die Damen verschließen sich aufgrund ihrer komplexeren Orgasmusstruktur noch einer statistischen Erfassung. Ihr "Big O" kann angeblich zwischen 7 und 107 Sekunden anhalten, die rein muskulären Zuckungen dauern zwischen 13 und 51 Sekunden
Was passiert beim Kommen?
Das Erdbeben beginnt zwischen den Ohren. Der Hypothalamus ist der Alarmknopf. Trifft hier ein erotischer Reiz ein, wird ein Feuerwerk abgefackelt: Herzschlag, Blutdruck und Atemfrequenz steigen. Hoden, Klitoris, Schamlippen schwellen – der Körper ist bereit. Was folgt, ist so unaufhaltsam wie die Eruption eines Vulkans. Experten sprechen von Trance, Veränderung in der Wahrnehmung von Raum, Zeit, Selbst, von extremen Gefühlen und verwandelter Motorik. Der Körper wird sogar unempfindlich gegen Schmerzen – an die Herkunft von blauen Flecken, Bissen und Kratzern können wir uns deshalb am nächsten Morgen kaum erinnern.
Wie ein Erdbeben rollt er an, überfällt uns, zeigt uns kurz den Himmel: Der Orgasmus ist der Gipfel der Gefühle. Was ist das Geheimnis seiner Macht?
Die Sekunden davor sind entscheidend. Dann verdichtet sich die Welt in einem Moment, konzentriert sich auf den Bass im Unterleib, der vibriert und tobt. Kein Gedanke darf jetzt bremsen, keine falsche Bewegung. Die Lichter gehen aus, und sie kommen, die Sekunden der Erlösung, der Entladung, der Seligkeit. Der Orgasmus ist die intensivste körperliche Empfindung, zu der wir fähig sind. Das Schöne daran: Noch längst sind nicht alle Geheimnisse und Rätsel dieser magischen Sekunden entschlüsselt.
Buchtipp
Infos für Besserkommer:
"Vom Höchsten der Gefühle.
Wie der Mensch zum Orgasmus kommt",
Eichborn Verlag, 19,90 Euro