Ausgegangen ist diese Aktion von einer in Berlin lebenden Estin, die ein behindertes Enkelkind hatte, das unbedingt operiert werden musste. Nach Kontaktaufnahme mit dem Krankenhaus in Tallinn stelte sich heraus, das weit über 200 Kinder auf einen OP Termin warteten. Dies war vor ca. 12 Jahren der Stand der Dinge und seitdem kümmert sich der Grit Jordan Verein um die behinderten Kinder in Estland.
Die Situation beim ersten Besuch. bei dem zunächst einmal Rollstühle und verschiedene andere Geräte nach Tallinn gebracht wurden war eine erschreckende. Unter anderem besuchten wir ein Heim, das aus der russischen Verwaltungszeit stammte, wo die Zustände katastrophal waren. Das zweite Heim wurde vom finnischen und schwedischen Lionsclub betrieben und war ein sehr gutes Zuhause für die dortigen Kinder.
Der Grit Jodan Verein finanzierte im Verlaufe der nächsten Jahre Flüge nach Berlin für die notwendigen Operationen an der Berliner Charite durch die Ärzte Dr. Haberl und Dr. Michael. Im weiteren Verlauf wurden die Estnischen Ärzte in Berlin weiter ausgebildet. Estnische Prothesenmacher wurden bei deutschen Firmen für die Herstellung besserer Prothesen bzw. Gehhilfen ausgebildet auf Kosten des Grit Jordan Vereines.
Mittlerweile fliegen die Ärzte der Charite Berlin 2 - 3 mal jährlich nach Tallinn, um dort vor Ort die Kinder zu operieren, bei denen kompiziertere Eingriffe notwendig sind. Nur noch in wenigen Fällen wird eine Operation in Berlin durchgeführt.
Im Verlauf der Besuche in Tallinn stellte sich heraus dass die Kinder aus dem Heim in Haapsalu mit dem 19. Lebensjahr das Kinderheim räumen sollten, da sie zu alt waren. Aufgrund noch fehlender organisatorischer Strukturen im Lande gab es nur eine Unterbringungsmöglichkeit: Eine Einweisung in eine geschlossene Anstalt für geistig behinderte Erwachsene. Als wir dies erfuhren kam der Gedanke auf: Wir bauen ein Heim für Jugendliche mit Spna Bifida und Hydrocephalus. Platz war vorhanden auf dem Grundstück des Kinderheimes. Aber von der ersten Idee bis zur Fertigstellung sollten noch fünf Jahre ins Land gehen. Wir hatten manchmal das Gefühl, einen unmöglichen Traum zu träumen. Aber jetzt im Februar war es soweit: Das Haus war fertig und 20 Jugendliche konnten endlich einziehen. Von diesem wunderbaren Ereignis für alle Beteiligten gibt es einen kleinen Film.
Und alle Beteiligten sind sich klar darüber: Es war ein langer Weg, aber das Warten und Nicht aufgeben hat sich gelohnt. Vier Wohnungen für jeweils fünf Jugendliche sind entstanden. Sie werden betreut und als nächstes plant der Grit Jordan Verein mit der estnischen Regierung Werkstätten für die Jugendlichen, in denen sie arbeiten können.
Dieses Jugendheim ist übrigens das erste Projekt dieser Art in Estland – also eine Art Pilotprojekt. Wir hoffen, damit einen Stein ins Rollen gebracht zu haben, denn es gibt noch viele Jugendliche, die auf einen solchen Platz warten.
Übrigens - das Mädchen, das die estnische und die deutsche Nationalhymne singt, ist Mariele, das kleine Mädchen von damals, das alles ins Rollen gebracht hat.
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