82 Jahre und kein bisschen müde: Eva Maria Bauer, alias "Oberschwester Hildegard aus der Schwarzwaldklinik" packt bereits wieder die Koffer. Der Landarztdreh steht vor der Tür und sie freut sich schon auf ein Wiedersehen mit Walter Plathe.
"Nur der Weg nach Kappeln ist immer so weit", stöhnt sie, "das sind immer drei Stunden Autofahrt von Hamburg und das heißt früh aufstehen!"
Letzteres gefällt der, auf dem Bildschirm so disziplinierten, Oberschwester im wirklichen Leben nicht so gut. Da ist sie eher der Genussmensch! Abends noch ein gemütliches Bierchen in der Gaststätte ihrer griechischen Freunde Aleksa und Thoma aus der
"Taverna Mykonos" vor der Tür ihrer Hamburger Wohnung in Wandsbek mit Lebengefährten Hajo, macht mehr Spaß! Hajo Siewers lebt zwar nicht mit Eva Maria Bauer zusammen, doch seit 34 Jahren sind die beiden ein glückliches Paar mit zwei Wohnungen. Die beiden haben sich noch vor Schwarzwaldklinikzeiten kennen gelernt, als das "Evchen" noch nicht die "Oberschwester Hildegard" war. Der Hamburger Textilkaufmann war seinerzeit im Thalia-Theater, in dem Eva Maria Bauer engagiert war, und sagte mit trockenem hanseatischen Humor zur angebeteten Schauspielerin in der Umbaupause: "Der Rock ist zu lang!"
"Ich bin vor Lachen zusammengebrochen", erinnert sich Eva Maria Bauer, "und beim Lachen ist es die letzte 34 Jahre geblieben. Gemeinsamer nie enden wollender Humor ist das Wichtigste in einer Beziehung! Wir lachen über unseren Hund, wir lachen über unsere Politiker und selbst wenn wir konträre Ansichten haben, endet das in einem Gelächter!"
Hajo Siewers begeleitete schon vor zwanzig Jahren die "Oberschwester" durch die "Klinikzeiten", in dem er artig die Drehbücher mit ihr gemeinsam lernte und abhörte. Jetzt kommt sozusagen der "Flash-Back", die "Rückblende"! Schnitt! 20 Jahre später sitzen die beiden wieder am Küchentisch, üben die Drehbuchdialoge, und lachen sich schlapp!
"Ich darf ja eigentlich nichts verraten", krümmt sich Eva Maria Bauer, "aber ich habe ja als Oberschwester schon damals leidenschaftlich gern den Krankenpfleger Mischa (Jochen Schroeder) gequält. In der letzten Szene sind wir damals allerdings freundschaftlich auseinander, weil er mir den Kopf gerettet hat, als ich versehentlich falsche Pillen herausgegeben habe. Aber das ist jetzt vergessen! 20 Jahre später darf ich ihn wieder kräftig zusammenstauchen!"
So wie es aussieht, wird von der Schwarzwaldklinik eine dritte Folge gedreht. Die Einschaltquoten von Folge # 2 waren über sieben Millionen, welches eigentlich ein "Must" für die Fortsetzung bedeutet. Allerdings sind, außer Eva Maria Bauer, nur noch Sascha Hehn , Jochen Schröder und Klausjürgen Wussow aus der alten Crew dabei. Letzterer eher recht als schlecht, denn er hatte in der vergangenen Ausstrahlung nur ein paar Sätze zu sprechen. Eva Maria Bauer hält sich über den Gesundheitszustand von Klausjürgen Wussow bedeckt.
"Wir werden alle älter", sagt sie, "und ich möchte nicht über Kollegen tratschen. Ich hasse es generell, über Mitmenschen hinter ihrem Rücken zu reden. Natürlich ist mir auch nicht entgangen, das Klausjürgen nicht mehr der Schauspieler von damals ist und altersmäßig abgebaut hat. Das ist ja auch normal, mir geht es da nicht anders und die Jahre ziehen nicht spurlos an einem vorbei. Klausjürgen Wussow war früher ein begnadeter Schauspieler und jetzt ist er schon traurig, dass er nur so wenig Dialoge bekommen hat, aber eines muss man ihm lassen: Er ist immer noch ein gut aussehender Mann!"
Ohne die Hilfe seiner Kollegen hätte Klausjürgen Wussow den Dreh nicht durchgehalten. Obwohl er wenig zu spielen hatte, musste er immer unterstützt werden. Texttafeln wurden gemalt, sein Sohn Sascha reichte ihm die Hand, Lebensgefährtin Witwe Scholz machte ihm Mut.
"Ich habe Frau Scholz als sehr liebenswerte helfende Person erlebt", berichtet Eva Maria Bauer. "In den Medien wird sie oft sehr negativ beschrieben, aber vor Ort stand sie Klaus immer auf sehr liebevolle Art zur Seite. Wir alle haben ihm gerne geholfen und ich hoffe, dass er auch in der nächsten Folge dabei ist, wenn eine Fortsetzung gedreht werden sollte."
Ob das jedoch möglich ist, steht in den Sternen und hängt wohl am meisten vom Produzenten Wolfgang Rademann ab. Er entdeckte "Professor Brinkmann", er wird mit dieser Rolle seine Karriere beenden. An Rademann hängt die Entscheidung, ob Wussow auch "rausgeschrieben" werden wird.
"Wolfgang ist ein sehr positiver Mensch, der zu seinen Schauspielern steht", berichtet Eva Maria Bauer, "er war und ist der "helfende Boss" und hat letztlich auch mit Klausjürgen Wussow einen Meilenstein in der Fernsehgeschichte geschrieben!"
Noch heute wird die Schauspielerin regelmäßig auf die Rolle der Oberschwester angesprochen. Die " gemeine Hildegard" hat sich in das Bewusstsein einer ganzen Fernsehgeneration eingefressen.
"Diese Rolle hat mich geradezu unsterblich gemacht", amüsiert sich Eva Maria Bauer. "Obwohl ich in den letzten zwanzig Jahren wirklich viele Fernsehsachen gemacht habe, werde ich in wöchentlichem Rhythmus von Fans auf der Straße angesprochen: "Sie sehen der Oberschwester Hildegard aber unheimlich ähnlich!". Ich antworte dann nicht ohne Stolz "Ich bin es!" Worauf ich meistens die Antwort bekomme: "Ich habe Sie damals gehasst!"
Und? Keine Angst davor, dass der Hass des Publikums wieder aufflammt, wenn die Oberschwester nach 20 Jahren den Mischa "faltet"?
"Überhaupt nicht!", antwortet Eva Maria Bauer, "Ich freu mich darauf! Und ich hoffe inständig, dass mir wieder eine Szene wie seinerzeit in Bayern passiert, als eine waschechte Münchnerin mich auf der anderen Straßenseite entdeckte, herüber kam und mich mit drohendem Zeigefinger ankeifte: "Wissens was! Sie san a rechte Sau!" Mal ehrlich: Gibt es ein besseres Kompliment? Die Oberschwester Hildegard spiele ich offensichtlich sehr glaubwürdig!"
Man kann sich also sicher sein, dass die Oberschwester auch zukünftig dabei sein wird. Nur eines bedauert sie: Dass Gaby Dohm nicht mehr mitmacht. Sie lehnte aus anderen beruflichen Verpflichtungen die Schwarzwaldklinik ab.
"Gaby ist wirklich eine meiner Lieblingskolleginnen", sagt Eva Maria Bauer, "aber man muss ihre Entscheidung respektieren."
Wann weitergedreht wird, steht noch in den Sternen. Doch "Evchen" ist sich fast sicher, dass in diesem Jahr die Reise wieder ins Glottertal gehen wird. Und ihre Zusage ist gewiß!
"Ich muss zwar nicht mehr arbeiten", beschreibt sie ihre Lebenssituation, "doch mir macht es Spaß und ich möchte meinen Lebensstandard auch behalten! Jetzt geht's erst mal wieder zum Landarzt."
Und was macht Hajo in der "frau-freien Zeit"?
"Auf das Haus und unseren Hund aufpassen, nicht wahr, mein Süßer?"
Ihr Hund Kira-Lisa (7), den sie vor vier Jahren aus dem Hamburger Tierheim holte, guckt sofort mit aufgerichteten Ohren: "Süßer?", "Leckerlies?" Barsche Töne kennt Kira-Lisa nicht!
"Ein sehr ausgeglichenes Tier", kommentiert Eva Maria Bauer die Disziplin in der Hundeerziehung, "und sehr selbstverantwortlich! Wenn man "Platz!" sagt, dann macht sie es, oder auch nicht!"
Eine richtig nette Familie, mit Häuschen im Grünen und Hund! Nur die "wilde Ehe" verblüfft, warum haben Evchen und Hajo nie geheiratet?
"Und wie wild die Ehe ist!", lacht Eva Maria Bauer. "Und das bleibt erst mal auch so -obwohl ich schon über Hochzeit nachdenke! Hajo meint zwar, ich hätte einen Knall, aber so schön heiraten wäre doch nicht schlecht? Muss ja nicht in Weiß sein? Wäre ja auch für die Altersversorgung nicht ganz unwichtig? Und die nötige Reife dafür hätte ich doch, oder?"
Christian Pantel
