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Gerd Christian - Noch immer jung - im Test von Holger StürenburgNein – das, was die einstige „DDR“-Ikone GERD CHRISTIAN auf ihrem neuen Album „Noch immer jung“ (Pipmatz/DA Music) darbietet, ist längst kein hausmütterlicher, biederer, austauschbarer Traditionsschlager mehr. Vorliegende CD, die der sympathische große Bruder von Liedermacher/Chansonnier Holger Biege aus Anlass seines 60. Geburtstags am 16. Juli 2010 aufgenommen hat, bietet vielmehr eine elektrisierende Mixtur aus Deutschpop, sacht rockigen Fragmenten, Liedermachertum, Chanson und freundlichen Countryspielereien. Dies liegt in erster Linie am perfekt aufeinander abgestimmten Produzententeam des glücklichen Jubilars. Komponist/Arrangeur Andreas Goldmann, von seinen Freunden liebevoll „Goldi“ genannt, und Texterin Heike Fransecky, nicht nur als Lyrikerin äußerst begabt, sondern auch im persönlichen Umgang die sprichwörtliche ‚Frau von Format’, gaben für Gerds aktuelles Opus wirklich ihr Bestes. Die darauf bedachten elf Songs (plus ein sommerlich-fröhliches Musikvideo, gedreht zu „Wenn man älter wird“, der ersten Singleauskoppelung aus der Vorgängerproduktion „Das eigene Gesicht“), sind bodenständige, enorm niveauvolle Lieder bester Güteklasse: Prägnante, eindrucksvolle Melodien verbinden sich mit großer Dichtkunst, tiefgehenden Inhalten, spannenden Formulierungen, die niemals auf langweiliger Ich liebe Dich“- oder „Die Urlaubsliebe ist zu Ende“-Spießigkeit bzw. -Klischeehaftigkeit verharren. Und all dies setzt das Geburtstagskind Gerd Christian mittels seiner liebenswert dunklen, trefflich brüchigen Stimme, die eine Menge an Lebenserfahrung ebenso ausstrahlt, wie intime Ehrlichkeit und hohe Emotionalität, in phänomenaler Manier gesanglich um. Zunächst war es eigentlich geplant, zu Gerds 60. Ehrentag eine Best-of-Kollektion zusammenzustellen, auf der die besten, erfolgreichsten und beliebtesten Schmankerl versammelt sein sollten, die der Große Mann des gehobenen Popchansons, seit er mit dem Team „Goldi“/Heike zusammenarbeitet, auf inzwischen sechs Longplay-CDs und zig Radio- und Kaufsingles veröffentlicht hat. Doch die drei eng miteinander verwobenen Hitzköpfe sprühten zuletzt nur so voller Ideen und Power, weshalb die Mehrzahl der Tracks von „Noch immer jung“ erst in den letzten Wochen entstand und entsprechend aufgenommen wurde. Selbstverständlich stehen die anderen Songs, überwiegend brandneue Kompositionen, sowie zwei Remixes seit langem bekannter und beliebter Titel, plus zwei Klasse Beiträge aus Gerds letztlich nur als umwerfend zu bezeichnendem 2009er-Opus „Das eigene Gesicht“, der genialischen, muttersprachlichen Sichtweise von Barry Manilows hübscher „Mandy“ in nichts nach. Sehnsüchtig, verträumt, bilanzierend, thematisch an ähnlich ausgerichtete Lieder von Udo Jürgens oder Hildegard Knef gemahnend, hören wir etwa das so gemütliche, wie prickelnde Chanson „Ich kannte einen Clown“, das sowohl Elmente der französischen, wie der russischen Folklore in sich trägt. Lyrisch philosophisch, nachdenklich gehalten, und klanglich als um punktgenau eingesetzte Country-Elemente angereicherter Deutschpop ertönend, zeigt sich der so knisternde, wie opulent inszenierte Pop/Rock-Schleicher „Leben“. Irgendwo zwischen dem Urberliner Liedermacher Klaus Hoffmann und wiederum „der Knef“, hält sich das monumentale Edelchanson „Gesichter in der Menge“ auf. Als der am meisten am traditionellen Schlager angelehnte Beitrag auf „Noch immer jung“, erweist sich „Der Sommer kommt von ganz allein“, der hinsichtlich Melodieführung an Henry Valentinos kultigen 70er-Trash a la „Im Wagen vor mir“ erinnert. Eine fraglos fesche, flotte Nummer zum Schunkeln, aber nicht unbedingt der qualitative Höhepunkt der qualitativen Höhepunkte…! Auf der CD „Ich werde da sein“ (2003), dem ersten Silberling, den Gerd Christian, gemeinsam mit seinem kongenialen Produzententeam Heike/“Goldi“, erarbeitet hatte, befand sich eine brisante Popschlager-Pianoballade namens „Nichts auf der Welt“. Diese dringt anno 2010, ausgestattet mit wiehernder Steel Guitar und kessem, im Tempo angezogenen Rhythmus, als fetzige, gitarrenbetonte, überaus charmante Countrynummer, zum Tanzen und Träumen gleichermaßen geeignet, aus den Boxen. Gerds bislang größter Hit wurde 1979 erstveröffentlicht und nannte sich „Sag ihr auch“. Der Jahrhundertschlager wurde sogar zu Zeiten des „Real Existierenden Sozialismus“ über eine Million mal verkauft und nach der ‚Wende’ vor 20 Jahren z.B. von „Schlagerkanone“ Bernhard Brink, dem Schweizer Sunnyboy Leonard oder den nicht unumstrittenen ‚Volkstümlern’ „Kastelruther Spatzen“ auch im ‚kapitalistischen Westen’ bekannt gemacht – ein Ostpop-Klassiker per Excellanze, der auf „Noch immer jung“ in einem akustischen, ausschließlich auf Konzertgitarren basierenden Arrangement erklingt; eine Vorgehensweise, die der ohnehin unschlagbaren Urmelodie, die übrigens seinerzeit der kreativen Ader von Gerds Bruders Holger Biege entsprang, äußerst interessante, neue, unerwartete Facetten zuerteilt. Der Titelsong ist krosser, temporeicher Deutschpop, verbunden mit spürbar rockigen Untertönen, und handelt über eine Frau, die, zumindest laut Personalausweis, schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat – jedoch innerlich weiterhin ‚forever young’ ist und bleibt, noch heute voller Begeisterung die „Beatles“ hört und es sich nicht nehmen lassen mag, ab und an am Wochenende um die Häuser zu ziehen – aber trotzdem nicht noch mal temporär tauschen und in ihre Jugendzeit in den 50er, 60er Jahren zurückkehren möchte, „weil die Zeit ihre eigene Sprache spricht“ (Textzitat). „Aus „Das eigene Gesicht“ fanden „Diese letzte Rose“ und „Fünfzehn Jahre früher“ den Weg auf „Noch immer jung“. Erstere Traumballade wird im Herbst 2010 als nächste Single des Geburtstagskindes herhalten. Es dreht sich darin um ebenjene Jahreszeit, in der dieser Titel als Radio- und Download-Track ins Rennen gesandt wird. Ein Mann zelebriert den letzten Tag einer ausgiebigen, sommerlich heißen Ferienreise, im Rahmen derer er eine offenkundig unschlagbare Urlaubsliebe getroffen hatte, wohlwissend, daß Ferienaffären zumeist zum Scheitern verurteilt sind. So schenkt das Lied-Ich seiner Hübschen „Diese letzte Rose“, die es am Straßenrand zufällig gefunden hat, „weil sie den Duft des Sommers nie verliert… denn ich weiß, daß sie Dein Herz berührt“ (Textzitate). „Fünfzehn Jahre früher“ erzählt ebenfalls eine so romantische, melancholische, wie abgeklärte, gar traurige Geschichte: Der betagtere Protagonist des Titels hat eine sehr junge, wilde, aufmunternde Schönheit kennen gelernt. Sie hat sich unsterblich in ihn verliebt, er hingegen lässt die Ratio walten, bekämpft innerlich seine ausufernden Gefühle, die auch er, rein aus dem Bauch heraus, am liebsten von einer Sekunde auf die andere für sie aufbringen würde, mit der Begründung, er sei schlicht zu alt für sie – wäre ihm das aufreizende Mädel nur „Fünfzehn Jahre früher“ über den Weg gelaufen, hätte er sich seinen überbordenden Emotionen grenzenlos hingegeben, hätte er sie feste in den Arm genommen – und er wäre heutzutage nicht allein… Der künstlerische Coup schlechthin ist Heike, „Goldi“ und Gerd bei dem, entfernt an Wolf Maahn und Konsorten erinnernden, verhaltenen Deutschrocker „Auf dem Weg zu ihr“ gelungen. Die drei Dauerkreativen vermochten es, niemand geringeren, als Jan Bernards als Gastmusiker zu gewinnen. Der aus Holland stammende, knapp 58jährige Dozent an diversen Musikschulen und gleichsam viel gebuchte Session-Musiker, ist seit 1990 hauptberuflich in der Showszene aktiv. Er arbeitete u.a. für die 60er-Jahre-Schlagerlegende „Blue Diamonds“ (erinnere: „Ramona“, „Sukiyaki“, „Blaues Boot der Sehnsucht“) und fungiert schon längerfristig als Tourgitarrist der niederländischen Popheroen „Pussycat“, die zwischen 1975 und 1984 unzählige unvergessliche Hits a la „Mississippi“ (1975), „Georgie“ (1976), „Teenage Queenie“ (1981) oder „Light of a Gypsy“ (1984) auf den höchsten Rängen der Charts europaweit feiern konnten. Mit „Noch immer jung“ haben sich Interpret GERD CHRISTIAN, Produzent/Komponist/Arrangeur ANDREAS GOLDMANN und Texterin/Produzentin HEIKE FRANSECKY selbst übertroffen. Das Album zählt ohne jegliche Zweifel zu DEN Deutschpop-Höhepunkten des Jahres.
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