Selbst, wenn derzeit nicht wenige Hamburger Kulturschaffende (etwa Udo Lindenberg) mit der hiesigen, ihr Ressort betreffenden Politik genauso sehr „zufrieden“ sind, wie - was sich am vorvergangenen Sonntag eindrucksvoll zeigte - soundsoviele engagierte Eltern mit der unkoordinierten, chaotischen und ideologisch verblendeten Schulpolitik in der Heimatstadt des Verfassers dieser Zeilen, so bieten dennoch zig Konzertagenturen, die etwas auf sich halten, auch in diesem „krisengeschüttelten“ Sommer Klasse Veranstaltung für den Fan diverser Stilistiken der U-Musik an.
Karsten Jahnke hat „sein“ persönliches Open-Air-Rund im Stadtpark 2010 mit unzähligen Topkünstlern ausgestattet; im „Downtown Bluesclub“, nähe Stadtpark, geben sich die besten Coverbands, welche die BR Deutschland aufzubieten hat, die Klinke in die Hand.
Ja und nun hat auch „FKP Scorpio“, eine 1990 begründete Firma für Konzertproduktionen, einen weiteren konzertären Höhepunkt in der Freien und Hansestadt ermöglicht: Zwischen dem 24. August und dem 30. August diesen Jahres gastieren mehrere hochkarätige Künstler auf einem Teilareal der „Trabrennbahn Bahrenfeld“. Dieser Veranstaltungsort diente in den letzten zehn, 15 Jahren als Auftrittsstätte für z.B. Marius Müller-Westernhagen, Robbie Williams, die „Backstreet Boys“ oder sogar die „Rolling Stones“. Bis 2012 wird „FKP Scorpio“ Jahr um Jahr, Sommer um Sommer, zahlreiche Open-Air-Konzerte dort stattfinden lassen. Solange gilt der im Frühjahr diesen Jahres geschlossene Vertrag zwischen „FKP“ und dem Betreiber der Trabrennbahn, der „Winrace GmbH“ – da sich mit einiger Wahrscheinlichkeit ein norddeutschlandweit anerkannter und beachteter Erfolg betreffs diesen Konzepts einstellen wird, dürfte auch 2012ff Bahrenfeld, ein schlichter, aber sehr netter, ansehnlicher Stadtteil im Wahlkreis Altona, für den „Hamburger Kultursommer“ zur Verfügung stehen.
2010 rechnet der Geschäftsführer von „FKP Scorpio“, Folkert Koopmans, mit jeweils bis zu 15.000 Besuchern, bei den von ihm und seiner Firma ausbaldowerten Konzerten. In Futuro sind sogar mehrzügige Events, wie es z.B. das Münchener „Tollwood Festival“ vormacht, angedacht, im Rahmen derer – der Verfasser dieser Zeilen kann dies aufgrund seiner Münchener Jahre 1993-2002 bezeugen - auf einem wahrlich nicht zu verachtenden Gelände diverse Veranstaltungen sogar zeitgleich stattfinden. Der „Hamburger Kultursommer 2010“ stellt nur einen Anfang dar, von dem, was auf uns hanseatische Pop-Musik-Fans jetzt und in Zukunft im positivsten Sinne des Wortes einstürzen wird!
Den Anfang macht am Dienstag, dem 24. August 2010, um 18.15 Uhr (Einlass: 16.30 Uhr), die 1992 begründete Neo-Punk-Band „Blink-182“, die in den 90er Jahren, im Umfeld von z.B. „Green Day“, „The Offspring“ oder „NOFX“, der jüngeren Generation den Begriff „Punk“ näher brachte. Geschmacklich für den Autoren dieses Artikels, sind „Blink-182“ rein gar nichts, weshalb er es auch unterlassen möchte, sich ausgiebiger zur Musik der Band, die halt schlicht und einfach nur jüngere Leute anspricht, zu äußern!
(Aus meiner Sicht) wesentlich elektrisierender, wird es dann am Freitag, dem 27. August 2010. Ab 18.15 Uhr (Einlaß wiederum 16.30 Uhr), geben sich DIE Gothic-Sensation des Heute und Hier, „UNHEILIG“, die Ehre, auf der Trabrennbahn Bahrenfeld zu konzertieren. Der Sänger, Komponist, Liedtexter Bernd Heinrich Graf rief 1999 das Projekt „Unheilig“, ins Leben, nannte sich fortan „Der Graf“ und gilt heutzutage als DIE Sensation für Schwarzbekleidete, v.a. aus der Teenagerecke, aber auch für möglicherweise eher bürgerliche Gothics, die nicht allzu depressive, dunkle Klänge vernehmen wollen, sondern auch gerne mal einen spezifischen Popappeal bei der von ihnen präferierten Musik verspüren wollen. Im März diesen Jahres veröffentlichten „Der Graf“ und seine Mitstreiter das Album „Große Freiheit“ (Interstar/Universal), welches umgehend nach Erscheinen den ersten Rang der deutschen „Media Control“-Charts erklomm. In Österreich war anstandslos Rang Zwei möglich, in der Schweiz zumindest der siebte Platz der dortigen Hitlisten.
„Der Graf“ alias „UNHEILIG“ gilt 2010 als eine der eindrucksvollsten, überzeugendsten Gratwandler zwischen radikalem, brachialen Gothic-Rock und poppigen, jederzeit radiotauglichen Gefilden. Auch, wenn ich überwiegend von jüngeren Chatpartnerinnen Lobeshymnen auf „Unheilig“ zu lesen bekomme, so sprechen mich, immerhin einen überzeugten Alt-80er-„Musikreaktionär“, die gruftigen Klangkreationen des „Grafen“ und seiner „Unheiligen“ Crew absolut an. Das, was die Herrschaften musikalisch anzubieten haben, hat etwas! Nach übereifrigem, mehrmaligen Anhören von „Große Freiheit“, kann ich nur unverblümt betonen: Daumen nach oben! Wer z.B. „Subway to Sally“, den „Bayreuther“ Joachim Witt, „ASP“, „Schandmaul“ oder „In Extremo“ mag, wird auch und gerade Sympathien für „UNHEILIG“ aufbringen können und werden.
Das aktuelle Album beinhaltet z.B. drastischen, rabiaten Bluesrock („Abwärts“), morbide, durch (auf den ersten Blick freundlich, versöhnlich wirkende) Kinderchöre genialisch konterkarierte Liebesgeständnisse an eine Selbstmörderin („Geboren um zu leben“), die das Lied-Ich, auch nach deren Freitod, niemals vergessen wird, dramatische, genreübliche, düstere „Wall of Sounds“ („Das Meer“, „Seenot“), mit süßlicher Pianoromantik eingeleitete, treibend-rockige Philosophien („Für immer“), ausstaffiert mit phänomenalen Textzeilen der Sorte „Nichts ist für immer – nur der Moment zählt ganz allein – brauchst Du mich bei Deinem letzten Schritt? / Ich springe mit!“… „Brauchst Du mich bei Deinem letzten Schritt / ich halte Dich“. Ich denke, hierzu fehlen selbst dem begabtesten Germanisten und Sprachfetischisten die passenden Worte!
Sperriger Gothic-Blues a la „Halt mich“, betörend konservativ anmutende, in langsamerem Tempo gehaltene Emotionsepen (Titelsong, „Heimatstern“) und eher schlagerhafter Deutschpop („Unter Deiner Flagge“) vervollständigen das Repertoire von „Große Freiheit“. Die tanzwütige, jüngere Mainstream-Fraktion wird mit oft sehr konventionellen Gothic-Rock (z.B. „Unter Feuer“, „Fernweh“, „Ich gehöre mir“) auf Trab bzw. auf der Trabrennbahn gehalten, „Sternbild“ – in mittlerer Geschwindigkeit arrangiert – interessiert lyrisch mal wieder die schwerdepressiven Philosophen unter uns. Das Lied-Ich sieht, nach der unvermeidlichen Trennung, ein ums andere Mal das mutmaßlich bildhübsche Gesicht seines „Sternbilds“, hört die Stimme der „Sternenhaften“ und wünscht sich ausschließlich, das „Sternbild“ möge ihren Ex-Partner niemals vergessen.
Da ich, wie viele meiner Freunde und Leser wissen, oft in Gothic-Chats unterwegs bin, konversiere ich natürlich auch mal mit jüngeren, wie mal mit reiferen Vertreterinnen dieser Szene. Aus allen Ecken und Enden höre ich seit mehreren Monaten, daß „UNHEILIG“ momentan unterschiedslos „unheilig“ und unschlagbar in der „schwarzen Szene“ sind. Ich habe von Herrn „Graf“ und den Seinen erstmals bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt, Mitte April 2010, gehört. Mir gefällt das, was der „Herr Graf“ musikalisch so hervorzaubert. Folglich freue ich mich, wenn viele, viele, viele Fans – ob schwarz sehend und/oder schwarz bekleidet - am 27. August 2010 dem Konzert von „Unheilig“ in Hamburg-Bahrenfeld ihre Aufwartung machen würden!!!
Kurz noch was zur Vorband „MONO INC.“. Diese sah ich Ende April vor einem Jahr als „Special Guest“ bei den Genre-Kollegen „Subway to Sally“. Die 2000 in Hamburg begründete, vierköpfige Truppe transferiert auf hervorragende Art und Weise das Lebensgefühl der 80er Jahre in die heutige Zeit. New Wave, New Romantic, Synthipop, Wave-Rock und Gothic-Elemente schmelzen bei dieser Band unverwechselbar und punktgenau zutreffend zusammen. Mir liegt das 2008er-Album „Love, Pain & Poetry“ vor. Alleine dieses überwältigt den geneigten Musikfreund durch derart hochwertige Qualität, Power, Liebe, Schmerz, daß alleine der Support-Auftritt von „MONO INC.“ bei „UNHEILIG“ manchen Musikfreak, der sich noch nicht dazu entschieden hat, wo er den lauen Sommerabend des 27. August verbringen mag, ggf. davon überzeugt, ebenjenen auf der Trabrennbahn Bahrenfeld“ zu verleben!
Mein persönlicher Höhepunkt des „Hamburger Kultursommers 2010“ wird zweifelsohne das „CLASSIC ROCK FESTIVAL“, am Samstag, dem 28. August 2010, um 14.00 Uhr (Einlaß: 12.30 Uhr), werden. Hier haben die Kollegen von „FKP Scorpio“ wirklich das Beste aufgeboten, was wir unbelehrbaren 70er/80er-Altrocker aus dieser Stilistik hören wollen.
ERIC BURDON… das unkopierbare Stehaufmännchen des Blues: „The House of the Rising Sun“, „We’ve gotta get out of this Place“, „San Franciscian Nights“, „When I was young“ in den 60ern – der menschliche, wie gesundheitliche Absturz in der Folgedekade. Udo Lindenberg fing den fraglos besten weißen Bluesshouter Ende der 70er auf, nahm ihn mit auf Tour, kümmerte sich um ein paar Albumproduktionen… Ende der 80er gab’s die LP „I used to be an Animal“; von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt, vom simplen Popfan schmählich vernachlässigt – das 120. Comeback, 2004 bei der Hannoveraner SPV, mit der unerwartet jazzigen, beinahe im Chansonspektrum, anzusiedelnden, schlicht umwerfenden Songsammlung „My Secret Life“. Ein Jahrhundertalbum, das, neben gehobenem US-Radiorock („Over the Boarder“), fetzigem Boogie Woogie („Devil Slide“), liebenswertem Liverpool-Folk („Factory Girl“), vor allem durch jazzig-bluesige Big-Band-Auslegungen von z.B. „Heaven“ (im Original von den „Talking Heads“) oder „My Secret Life“ (Leonard Cohen) besticht. Dieses Pop/Jazz/Blues/Rock-Meisterwerk des gebürtigen New-Castelers leitete über in das feurige Livealbum „Athens Traffic Live“ (2005) und die reinrassige, sacht spröde, aber gleichsam elektrisierende Blues-Produktion „Son of a Man“, die 2006 auf den Markt kam und hierzulande immerhin einen guten Rang 43 in den Longplay-Charts für sich in Anspruch nehmen konnte.
ROGER CHAPMAN – ein weiterer famoser Altrocker, den “FKP Scorpio“ für das „CLASSIC ROCK FESTIVAL“ verpflichten konnten, feierte seine größten Hits zugegebenermaßen in erster Linie als Gastsänger, z.B. bei Mike Batt („Run like the Wind“, 1980) oder Mike Oldfield („Shadow on the Wall“, 1983) – trotzdem konnte der von seinen Fans liebevoll als „Chappo“ titulierte Bluesrocker, etwa mittels „Midnight Child“ (1979), „The Unknown Soldier (Can’t get to Heaven)“ (1981), „How, How, How“ (1984), „Zipper“ (1986) und besonders seines gänzlich verkannten, aber dafür nicht weniger Gänsehaut erzeugenden, 1989er-Albums „Walking the Cat“, seine Reputation unter offenen und nicht mit Scheuklappen behafteten Rockfreaks stetig steigern. „Chappos“ Hamburger Liveauftritt gerät garantiert schwitzig, schweißtreibend, rockig, bluesig – und vielleicht hat die stimmstarke Blueslegende aus Leicester ja auch ein paar ganz neue Songs mit im Programm!
Ebenfalls dem reinen Blues verschrieben hat sich seit über 40 Jahren gleichsam die britische Band „TEN YEARS AFTER, die auch ohne das sagenumwobene Gründungsmitglied Alvin Lee für heißblütige Liveevents mehr als nur geeignet ist, was sie sicherlich am 28. August diesen Jahres in Hamburg-Bahrenfeld beweisen wird.
„THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW“ ist eine vielköpfige Coverband aus Adelaide, die 1988 in „Down Under“ ins Leben gerufen wurde und sich zum Ziel gesetzt hatte, unvergessliche Songs der Originalen „Pink Floyd“, so etwa „Another Brick in the Wall“, „Money“ oder „Wish you were here“, so präzise, wie nur möglich, nachzuempfinden. Ich bin sehr gespannt, wie diese bestimmt konstruktiv und liebevoll ausgetüftelte Covershow auf mich wirken wird!
Als Hauptact des Abend fungiert niemand geringeres, als die 1967 in Schottland entstandene Progressive-/Folk-/Hardrockband „JETHRO TULL“. Bandgründer IAN ANDERSON ließ sich stilistisch nie genau festlegen; ihm aber ist es zu verdanken, daß die ursprünglich popuntypische Querflöte Eingang ins traditionelle Rockbusiness finden sollte. Großartige Worte über diese unvergleichlichen Vollblutmusiker zu verlieren, würde den Rahmen sprengen. Die Alben „Thick as a Brick“ (1972), „Too old to Rock’n’Roll – Too Young to die“ (1976), “Songs from the Wood” (1977) haben Musikgeschichte geschrieben; mein Interesse an Ian Anderson und seinen Mitstreitern begann zugegebenermaßen erst 1982 (LP: “Broadsword and the Beast”, Hitsingle “Pussy Willow”), umging das unausgegorene Synthipop-Experiment „Under Wraps“ (1984), setzte sich 1987 (LP: „Crest of a Knave“, inkl. Gänsehauterzeugender Ballade „Budapest“) fort, um dann 1989 („Rock Island“, genialische Single „Kissing Willie“) bzw. 1991 („Catfish Rising“), seinen Höchststand zu erreichen.
Dieses „Classic Rock Festival“ wird garantiert für Furore sorgen! Mein bester Freund, Dr. Jan Lindenau, und ich werden vor Ort sein – und, wie es sich gehört, nach der Show einen ausführlichen Konzertbericht schreiben und veröffentlichen! „Living in the Past“ – so nennt sich einer DER größten Hits von „Jethro Tull“ – ja, und bei diesem Festival werden wir alle auf unsere ureigene Weise für ein paar Stunden mit viel Vergnügen „in der Vergangenheit leben“!!!
Schlußendlich tritt am 30. August 2010 „Betroffenheitsbarde“ XAVIER NAIDOO in Bahrenfeld auf. Das „Berufsjammern“ des gebürtigen Mannheimers beginnt um 18.15 Uhr; Einlaß ist um 16.30 Uhr. Es ist nicht meine Musik, weshalb ich mich zu diesem Event gar nicht ausführlicher äußern möchte.
Man sieht, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Junge Leute werden vom „HAMBURGER KULTURSOMMER 2010“ genauso angesprochen, wie ältere Semester.
Ich drücke „FKP Scorpio“ auf diesem Wege alle nur erdenklichen Daumen, daß sich das neue Konzept durchsetzen wird und die vor uns liegenden Konzerte für die jeweiligen Fangruppen zu einem ganz, ganz großen Spaß werden! Nachberichte folgen an dieser Stelle zum gegebenen Zeitpunkt!
Quelle: Holger Stürenburg, Juli 2010