Zum Auftakt des Prozesses an dem Ibbenbürener Geschäftsmann Robert K., zeigten mehrere Hundert Mitglieder der beiden Motorradgruppen HellsAngels und Bandidos in Münster Präsenz. Nach Polizeiangaben bekundeten rund 400 Mitglieder der HellsAngels und 200 Mitglieder der Bandidos ihre Solidarität zu den jeweiligen Clubs.
Auf die Frage warum die Clubs so zahlreich erschienen sind, antwortete der Pressesprecher des MC HellsAngels Westside:„Der Grund ist einfach, in diesem Prozess geht es um einen Mord, ein Mord an einem von uns und wenn einer von uns ermordet wird betrifft das alle von uns. Das ist der Grund dafür dass wir so zahlreich erschienen sind“. Eine Stellungnahme des Bandidos war nicht zu erlangen.
Wer jedoch geglaubt, Münster werde wie im Mai diesen Jahres Ibbenbüren, von Motorrädern überflutet, der wurde eines Besseren belehrt. Die Mitglieder der beiden „rivalisierenden“ Clubs kamen friedlich in Bussen und Pkw. „Bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt, ist es auch dem härtesten Biker zu kalt“, so der Pressesprecher der MC HellsAngels Westside
Unter starker Überwachung der Polizei, die mit mehreren hundert Beamten aus ganz NRW angerückt war, wurden die anreisenden Clubs gelenkt und kontrolliert, durchsucht und davon abgehalten in eine mögliche Konfrontation mit dem jeweiligen anderen Motorradclub zu geraten. Grund genug gäbe es sicherlich dafür, denn im Mai diesen Jahres wurde ein Mitglied der HellsAngels vor seinem Motorradshop von zwei Mitgliedern der Bandidos, durch fünf Schüsse getötet.
Polizeisprecher Klaus Laakmann (Polizei Münster) erklärte, „Es haben sich jedoch keinerlei Hinweise im Vorfeld des Prozesses dafür ergeben hätten, dass es zu einer möglichen Gewaltaktionen zwischen den beiden Gruppen kommen würde.“ Um jedoch einer plötzlich aufkeimenden gewalttätigen Konfrontation entgegenzuwirken, wurden die beiden Gruppen voneinander bereits vor dem Landgericht separiert und zu verschiedenen Parkplätzen um das Gerichtsgebäude geleitet. Ein Sperrriegel aus Polizeikräften, sowohl auf der Straße, wie auch im Gerichtsaal trug im Weiteren für eine ruhige Lage bei.
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden angeklagten Mitgliedern der „Bandidos“ Thomas K (36) und Heino B(48) vor, die Täter des Mordes gewesen zu sein. Dabei stützt sich die Anklage, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer, auf eine Reihe von Indizien die auch zu Festnahme der mutmaßlichen Täter geführt haben. Das schwierige für die Ankläger wird nun der Aufbau einer Indizienkette sein, da die beiden Angeklagten jegliche Tatbeteilung bestreiten und die Tatwaffe bis heute fehlt. Daneben erklärte Schweer, sei
es überhaupt schwierig für die Staatsanwaltschaft, einen Prozess gegen Mitglieder der Motorradclubs zu führen, da die Kooperationsbereitschaft seitens beider beteiligter Clubs „gleich Null“ geht. Grundsätzlich schalten die Clubs zu Begleichung möglicher Differenzen weder Anzeigen, noch Straf- und Ermittlungsbehörden zur Regelung ein. Im vorliegenden Fall führte erst eine zufällige Videoüberwachung durch eine Kamera auf dem Nachbargrundstück des Tatorts, auf der das Fahrzeug eines der vermeintlichen Täter zu sehen ist, sowie Handyüberwachungsmaßnahmen auf die Spur und zur Festnahme der mutmaßlichen Täter, so Schweer.
Der Prozessauftakt im Sitzungssaal 23 des Landgerichts Münster war wie erwartet unspektakulär. Rund 50 Mitglieder beider Clubs, wurden über verschiedene Eingänge in den Sitzungssaal geführt und saßen durch einige Polizeikräfte getrennt ruhig auf den Zuschauerplätzen. Nachdem die zwei Angeklagten in den Sitzungssaal geführt wurden, protestiert zunächst der Verteidiger hinsichtlich der zwangsweisen Vermummung der beiden Angeklagten. Beiden wurde während der Überführung von der U-Haft ins Gerichtsgebäude Augen und Ohren verbunden. Dies wurde mit einem lauten Raunen einiger der anwesenden Clubmitglieder quittiert. Nach einigen energischen Worten des Vorsitzenden Richters der 2. Großen Strafkammer. Michael Skawran „Dies ist keine Show von RTL“ folgte Grabesstille. Nach Feststellung der Personalien beider mutmaßlichen Täter endete bereits nach rund 20 Minuten der erste Verhandlungstag.
Die gespannte „friedliche" Stimmung in beiden Lagern hielt noch bis zum Ende des Verhandlungstages. Diese entlud sich jedoch auf der Abreise der beiden Clubs. Kurz nach dem Verlassen der Stadtgrenze kam es zu einem Zwischenfall, bei dem es zu einer Massenschlägerei kam, in deren Verlauf mindestens eine Person schwer verletzt wurde und rund 40 Mitglieder beider Lager von der Polizei vorläufig festgenommen wurden..
Fotos © und Text : Daniel Döhring
