...mit Schwester Veronika (40) und Nichte Christine (15)
„Halli hallo die Räuber“ ist der Titel des neuen Trenkwalder-Albums und nicht nur in Österreich und Deutschland tanzt das Publikum bei 150 Konzerten jährlich auf den Tischen. Seit sieben Jahren spielt die Trenkwalder-Kombo im Frühjahr in Las Vegas auf und seit drei Jahren im Herbst Saigon. Oktoberfest auf vietnamesisch in ausverkaufter Halle: „Hulla, die Läuber kommen!“ freuen sich Asiaten in Lederhose…
„Hubsi“, wie er liebevoll von Familie, Freunden und Fans genannt wird, überzeugt als Moderator bei Gute-Laune-TV und geht musikalisch einen geraden Weg. Der Österreicher vom Mieminger Plateau ist heimatverbunden, bodenständig und liebt Volksmusik … und ist ein bisschen „durchgeknallt“ … im positiven Sinne!
„Altes Deutsches Liedgut wird von uns kräftig aufgepeppt“, erklärt er und die Räuber sind der beste Beweis: man hört fetzige Pop-Elemente, die direkt in die Beine gehen! „Mit der neuen CD haben wir uns erstmalig alte Volkslieder vorgenommen, die man sofort mitsingen kann. Aber, wie immer, haben wir auch Eigenkompositionen, die unsere Gefühle widerspiegeln. Zum Beispiel „Vogelfrei“ - wenn ich hier in Mieming eine Bergwanderung mache, fällt jede Last von mir ab und ich kann loslassen. Das wollen wir auch mit unserer Musik den anderen Menschen glaubwürdig vermitteln. Das Leben wird niemals sorgenfrei sein, aber es sollte sorglose Momente haben und für mich ist es das größte Kompliment, wenn ein Fan zu mir sagt: „Hubsi, ich konnte mich auf deine Welt einlassen!“.“
Dabei ist „Hubsis World“ absolut nicht „volksmusikheil“. Da wird keineswegs „Selbstverdummung durch Sonnenscheingefühle“ gelebt. Hubert Trenkwalder setzt sich mit seinem Leben auseinander und zelebriert nicht die „Heile-Welt-Fernsehwerbung“. Der 39jährige ist noch immer nicht verheiratet, hat keine Kinder, keinen Labrador und kein Häuschen im Grünen … sondern ein echtes Junggesellenapartment!
„Ist alles ein bisschen schwierig beim Musikerleben“, gibt er zu. „Bei 150 Auftritten im Jahr lebt man nicht das Klischee der Volksmusik oder der Bürgerlichkeit. Das ist der Preis meines Berufes, die Zeit für sich selbst, die Familie und die Liebe ist begrenzt. In unserer Band sind alle unverheiratet und niemand lebt das „klassische Glück“ – was ich aber auch nicht bedauere, denn Klischees haben mich noch nie begeistert. Ich gehe individuelle Wege und habe meine eigenen Wertvorstellungen.“
Bei seiner Freundin Daniela beispielsweise, die er vor vier Jahren beim Winterfest der Volksmusik kennen lernte und die beim MDR in Leipzig tätig ist, war es Liebe auf den ersten Blick … doch verheiratet sind die zwei noch immer nicht und die eigene Familie ist noch nicht in Sicht.
„Das ist nur noch eine Frage der Zeit“, korrigiert Hubsi. „Das wird kommen, auch wenn meine innere Uhr noch keineswegs tickt. Man muss Kompromisse eingehen, eine Beziehung auf Distanz ist auf Dauer schwierig und Mieming-Leipzig ist nicht gerade um die Ecke! Nur sind dazu für beide berufliche Planungen nötig, die man nicht von einem auf den anderen Tag umsetzen kann, auch wenn man es sich wünscht. Familie ist mein Lebenstraum, denn ich komme aus einer sehr harmonischen Familie und möchte auch mal irgendwann eine eigene haben.“
Ohne Zweifel richtig! In Mieming wohnt nicht nur Hubert Trenkwalder, dort ist auch sein Elternhaus und seine Schwester Veronika und deren Tochter Christine leben ebenfalls nur ein paar Autominuten entfernt. Die Trenkwalder und das Mieminger Plateau können in einem Atemzug genannt werden.
„Für meine Nichte Christine habe ich auch die Patenschaft übernommen“, berichtet Hubert. „Wir sind alle katholisch erzogen und „Patenschaft“ bedeutet für mich daher auch Verantwortung. Tini ist fast 16 und geht eigener Wege, aber wir sehen uns häufig und sie hat absolutes Vertrauen zu mir. Ich bin der erwachsene Kumpel, der sie jederzeit unterstützt und Ansprechpartner für Probleme ist.“
Das wird die Mutter freuen – wie ist sein Verhältnis zur Schwester Veronika? Gibt geschwisterliche Konkurrenz?
„Absolut nicht“, antwortet Hubert Trenkwalder. „Im Gegenteil, schon als Kinder haben wir in einem Zimmer gewohnt und als meine Eltern sich das Haus kauften und plötzlich zwei Kinderzimmer vorhanden waren, haben wir auf einen Durchbruch bestanden. Vor dem Einschlafen mussten wir immer noch quatschen. Meine Schwester ist anderthalb älter als ich und hat immer auf mich aufgepasst. Wenn andere Jungs frech wurden, hat sie mich beschützt. Das konnte sie gut, weil sie schon immer stärker als ich, sehr sportlich und durchtrainiert war! Alle hatten Respekt und ließen mich lieber in Ruhe!“
Das ist bis heute so geblieben. Veronika ist nach wie vor im Fitnessbereich und Gesundheitsmanagement tätig und auch Nichte Christine arbeitet an ihrem Abitur auf einer Fachschule für Ernährung und Medizin.
„Aber Tini ist auch sehr musikalisch!“, wirft Hubert ehrenhalber ein. „Sie spielt fantastisch Harfe und ist mit ihren Freunden immer auf unseren Konzerten, wenn wir in der Nähe auftreten!“
Auch den Beschützerinstinkt hat Veronika bis heute nicht abgelegt. Da Hubert Trenkwalder nicht unbedingt gesund lebt, wurde drastisch eingegriffen!
„Natürlich ist das Musikerleben kein Kuraufenthalt“, meint Hubert. „Wir sind bis spät in die Nacht in verräucherten Partytempeln unterwegs, es gibt auch mal ab und zu einen Obstler und ein Bier und bis mittags wird geschlafen. Da machte sich Veronika um meine Gesundheit Gedanken und ich werde einen Teufel tun und mich mit der stärkeren großen Schwester anlegen!“
Die Konsequenz: einmal wöchentlich Joggen, einmal wöchentlich Bergwandern und einmal wöchentlich den Ernährungsplan aufstellen. Nur wenn das Schwesterlein nicht da ist, sündigt der Hubsi heimlich zwischendurch und gönnt sich eine Buchweizentorte mit Sahne … ansonsten sind gesunde Salate angesagt!
„Ich bin ihr wirklich dankbar“, meint der Musiker und hat im letzten Jahr zehn Kilo dauerhaft abgespeckt. Kein Gramm Fett am durchtrainierten Mann! „Ich fühle mich jetzt wirklich besser und fit für unsere gemeinsame Radtour über Mallorca, die wir im November geplant haben.“
Bis dahin muss er aber noch des Öfteren auf die Bühne … auch wenn er beim gelegentlichen Bierchen nach der Vorstellung jetzt wohl eher ein schlechtes Gewissen haben wird. Und der Mekong-Whisky in Vietnam wird wohl auch ausfallen!
„Wir reichen gerade die Texte bei der vietnamesischen Regierung ein“, sagt Hubert Trenkwalder, „denn das Oktoberfest in Saigon steht vor der Tür. Vietnam ist ja nach wie vor ein kommunistisches Land. Wir können zwar auf der Bühne die Sau raus lassen, aber jeder Text muss zuvor auf „political correctness“ ins Vietnamesische übersetzt werden, bevor wir ihn singen.“
Insbesondere bei „Halli hallo die Räuber“ wird es brenzlig: die letzte Zeile lautet „und heutzutage scheint überall ein Räuberwald zu sein“. Das gilt natürlich auch für den kommunistischen Dschungel in Vietnam!
„Wir wollen natürlich mit der Volksmusik keine diplomatischen Konflikte hervorrufen“, schmunzelt Hubert Trenkwalder augenzwinkernd. „Hoffentlich übersehen sie diese Zeile!“
Christian Pantel