Johann König (36) - der lasziv anmutende Komiker mit der unverkennbar brüchig-monotonen Stimme - setzt sich seit nunmehr zehn Jahren mit seinen eigenartig schrägen Geschichten gekonnt auf Deutschlands Live-Bühnen in Szene.
König – ein wahrer Meister simpler Mehrdeutigkeiten
Komischerweise gilt bei einigen Zeitgenossen die „depressive Stimmungskanone“ aus dem Westfälischen Soest immer noch als Geheimtipp. Obwohl sich der gelegentlich entrückt und leicht unbeholfen wirkende „Grandseigneur der gepflegten Abendunterhaltung“ relativ oft auf der Mattscheibe (so im Quatsch Comedy Club von Pro 7) zeigt.
Wenn König beispielshalber aus seinem typischen Johann-Tagebüchlein von jener Miezekatze - die allerhand Mietzekotze absondert - referiert, kann sich der Ohrenzeuge des absonderlichen Vortrags jenes Meisters „simpler Mehrdeutigkeiten“ nur äußerst schwer entziehen.
Johann König besitzt nun mal eine ganz besondere Schwäche fürs „Fiese“ - so steht’s überdies auf seiner Homepage. Er präferiert zudem „abartige Poeme“ - bester Beweis: Königs Gedichtsband Gestammelte Werke (Verlag: Lappan ISBN: 3830331444). Und zu guter Letzt singt König als "Der Mann mit der Stimme" über die ihm bekannten Tonleitern genial atonal (vergessen Sie Paul Potts Nessun Dorma aus Puccinis Oper Turandot!)
Trends checken und Storys geschickt verpacken – Königs Spezialitäten
Im jüngsten Programm Johann König eskaliert offeriert uns die Soester Spaßgranate u. a. als Trendchecker neuste Tendenzen aus dem Universe. Frisch, frech und besonders cool berichtet Johann von „Klingeltönen fürs Fahrrad“, von „Zivis bei der Bundeswehr“ und von dem, was momentan unter dem Schlagwort to go - so auch „in die Fresse to go!“ - alles möglich ist.
König ist - zumindest sieht es nach außen hin so aus - stets bemüht, dass er imagemäßig phlegmatisch und leicht fies herüberkommt. Allerdings kauft ihm das kaum jemand ab, weil hinter jener Persönlichkeit in Wahrheit ein sympathisches, etwas scheues und eigenartig geistvolles Menschenkind steckt. Johann kann man einfach nichts übel nehmen, auch wenn sich die „Rheinische Reimmaschine“ redlich bemüht, dass jeder sein Fett abkriegt. Sein selbst ironisch und spröder Lausbubencharme stimmt immer wieder versöhnlich.
Wer zugegebenermaßen so phantasiereich - bisweilen etwas infantil - um die Ecken denkt, und wer so geschickt Menschen in Storys zieht (wie beispielsweise bei der Einmachoma), während er verschmitzt mit einem spitzbübischen Dauergrinsen durchblicken lässt, dass alles gar nicht so ernst zu nehmen ist, hat freilich leichtes Spiel, jene zu erobern, die ihm allabendlich so zahlreich an den Lippen hängen.
Text & Gestaltung: Gerald Block / gerald.block@gmx.de
Mehr zu Johann König und seiner Tour unter: http://www.johannkoenig.com/
Foto © Marcus Müller (mit freundlicher Genehmigung von HPR Künstler & Medien GmbH)