Bislang zweimal konnte der gebürtig aus dem australischen Melbourne stammende Singer/Songwriter JOHNNY LOGAN, selbst als Interpret, den „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ für seine langjährige Wahlheimat Irland gewinnen: 1980 mit dem grazilen, zerbrechlichen Schleicher „What’s another Year“, sieben Jahre später mit der kraftvollen Popballade „Hold me now“. Beide ‚Perfect Popsongs’ gerieten zu europaweiten Top-5-Hits und gelten noch 2010 als Standards des musikalischen Lebens der 80er Jahre. Als Autor verfasste der heute 56jährige für seine Landsmännin, die Sängerin und TV-Moderatorin Linda Martin, die sachte Popkomposition „Why me“, mit der die spätere Jurorin bei der irischen Casting-Show „You’re a Star“ ebengenanntes europäische Musikfestival 1992 im schwedischen Malmö für sich zu entscheiden vermochte.
Obwohl der großgewachsene Ire den ganz großen Durchbruch niemals so recht schaffte, überraschte er immer wieder mit – in ihrer Mehrheit ruhig, sanft, verträumt, in romantischem, balladesken Kontext gehaltenen - Popkleinoden, die sich seit einigen Jahren besonders in den skandinavischen Ländern – Dänemark, Schweden, Norwegen – zu veritablen Erfolgen, auch und gerade in kommerzieller Hinsicht, entwickeln sollten. Seine 2007 nur in Nordeuropa (ergo: nicht hierzulande) veröffentlichte CD „Irish Connections“ erzielte in genannten Ländern jeweils die Spitzenposition, wurde mit Gold, Platin, in Norwegen sogar mit Doppel-Platin ausgezeichnet; die dazugehörige Konzertreise war durchwegs ausverkauft.
Nun soll es aber endlich mal wieder an der Zeit sein, für eine aktuelle Produktion, die überwiegend für den deutschen bzw. mitteleuropäischen Markt konzipiert wurde. Johnny Logans brandneues Album „Nature of Love“, das kürzlich bei Artists & Acts/DA Music veröffentlicht wurde, beinhaltet insgesamt zehn Titel, davon sieben Neukompositionen, fast ausschließlich aus der Feder des Interpreten ad Personam, sowie – nicht zum ersten Mal… - widerspruchslos treffliche und superfrische Neuaufnahmen von „What’s another Year“, „Hold me now“ und „Why me“.
Stilistisch verbleibt allerdings alles in gewohnter Manier. Es erklingen über weite Strecken exzellente Pop/Rock-Balladen der gehobenen Machart, von denen jedoch (und ich denke, dies war schon immer das alles bestimmende, Größeres verhindernde Manko in der inzwischen über 30jährigen Karriere von Johnny Logan) kaum eine längerfristig im Ohr hängen bleibt, sich dauerhaft als unverkennbar und erinnerungswürdig erweist.
Betont soulig, äußerst US-amerikanisch, leicht funky, fraglos zickig und gut rhythmisiert inszeniert, wurde z.B. die so sommerliche, wie im positivsten Sinne des Wortes ‚überkandidelte’, vertonte Melancholie „Last Days of Beautiful“.
Von einer stillen Pianoballade zu einem alles andere, als unsympathischen, nahezu feurigen, Funken versprühenden Gefühlsdrama entwickelt sich „When a Woman loves a Man“; eine opulente Klangkollage, die jedoch nichts mit gleichnamigem 1988er-Hit des schottischen Bluesbarden Joe Cocker (zweite Singleauskoppelung aus der LP „Unchain my Heart“, 1987) zu tun hat.
Eine nächtlich prickelnde Melange aus Swing und Blues, grandios ausgestattet mit vielen feisten, drallen Bläsern, vernehmen wir in „Shame on you“, einer der besten, weil atmosphärischsten, ehrlichsten und daher überzeugendsten Nummern auf „Nature of Love“. Leise, verliebt und großstädtisch ausgestaltet, bietet der Titelsong hier analysierter Silberscheibe nicht weniger und nicht mehr, als puren Pop der obersten Liga. Gleiches gilt für den launemachenden, freundlichen Mid-Tempo-Popper „Shine on“. Von zirpenden Konzertgitarren geprägt, zeigt sich dagegen die knisternde Kaminfeueruntermalung „Between Love and Hate“, die sich nach und nach zu einer, zwar weiterhin überwiegend akustisch ausgestalteten, gleichsam aber faszinierend authentisch gehaltenen Powerballade auswächst. Mit dem eher nur vor sich hin plätschernden, gepflegte Langeweile verbreitenden, womöglich kreativlos am sprichwörtlichen Reißbrett entworfenen Ultra-Mainstream-Radiopop-Schlager „Solid Ground“, der zum einen Ohr rein und zum anderen Hörorgan wiederum rausgeht, endet die hier vorgestellte 2010er-CD von Johnny Logan kurz und schmerzlos.
Ob man die geschätzte 170. Neueinspielung von Johnnys unverbrüchlichen Megahits aus der ‚kühlen Dekade’ nun unbedingt braucht, mag dahin gestellt bleiben. Trotzdem hat sich sein derzeitiger, in Dänemark ansässiger Produzent Boe Larsen (u.a. Hanna Boel, Pete Smith, Maria Lucias) gerade bei deren zeitnaher Umsetzung mehr als nur Mühe gegeben, weshalb keine anödenden Billig-Kopien der Originale dabei herauskamen, sondern ansprechende, um unerwartete Facetten angereicherte Hommagen an Johnnys unvergessliche Popkracher der 80er und frühen 90er: Die 2010er-Auslgung von Johnnys bahnbrechendem Debüthit „What’s another Year“ beginnt, völlig ungewohnt, mittels der Nutzung eines knarzenden Saxophons, das immer wieder punktgenau zum Einsatz kommt, in jenem abgeklärten Beziehungsdrama, das tatsächlich Musikgeschichte geschrieben hat und noch heute zu den besten, prägnantesten, kompetentesten Beiträgen gehört, die jemals beim – heutzutage eh totkommerzialisierten, nervtötenden, schnellvergänglichen - „Grand Prix Eurovision de le Chanson“ a/ka „Eurovision Song Contest“ vorgestellt wurden .
Ein bislang unbekanntes Intro, leitet ein in eine sehr passable Neuaufnahme von Johnnys unschlagbarem Grand-Prix-Klassiker „Hold me now“, einer real existierenden Jahrhundertballade, die 1987 in Brüssel, dem Austragungsort des seinerzeitigen Eurovisionsspektakels, die europaweite Konkurrenz – ganz zurecht – ziemlich alt aussehen ließ.
Gleichsam interpretiert Johnny Logan diejenige fragile Edelschnulze, „Why me“, mit der er, wie erwähnt, 1992 die ebenfalls in Irland ansässige Kollegin Linda Martin beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ ins Rennen sandte und diese damit sogleich den ersten Rang erzielte.
Johnny Logan besticht zweifelsohne mit einer tatsächlich ausdrucksstarken, kräftigen, wandlungsfähigen Stimme. Seine Kompositionen sind alles andere als übel. Sie entstanden sicherlich mit viel Liebe zum Detail, die Arrangements sind natürlich in erster Linie fürs Radio ausgefeilt worden – irgendwie verharren aber zumindest die sieben neuen Lieder, die der interessierte Hörer auf „Nature of Love“ erstmals rezipieren kann, in einer ziemlich ungemütlichen Ausprägung von Mittelmaß, beinahe Belanglosigkeit, welche das Album vermutlich dazu prädestiniert, hauptsächlich zum Nebenbeihören, als freundliche, aber nicht unbedingt umwerfende ‚Hintergrundmusik“, beim Entspannen, Zeitungs-Lesen, bei Hausarbeit und Wohnungsputz, einsetzbar zu sein. Die immerwährende hohe Qualität der drei unverbrüchlichen Grand-Prix-Evergreens „What’s another Year“ (1980), „Hold me now“ (1987) und „Why me“ (1992) erreicht leider – ich betonte aus ganzem Herzen: LEIDER – kein einziger der neu ersonnenen Tracks auf „Nature of Love“.
Frühere Aufnahmen beweisen eindeutig, daß Johnny Logan künstlerisch weitaus mehr drauf hat, als ausnahmslos die Intonation von eher ruhigen, balladesken Stücken. Er sollte künftig sein stilistisches Spektrum deutlich erweitern, sich Elementen temporeicherer Rocksounds, erdiger Countryspielereien, insbesondere dererlei aus Blues und Jazz öffnen – dann wird der legendäre Grand-Prix-Heroe auch in unseren Breitengraden wiederum dort stehen, wo er sich – bisher bedauerlicher Weise immer nur kurzzeitig – mit „What’s…“ oder „Hold me now“ positioniert hatte.
Quelle: Holger Stürenburg, 15./16. Juli 2010
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