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Konzertbericht - Julia Neigel & Edo Zanki - Rock’n’Soul 2010 - Hamburg – Delphi Showpalast - im Test von Holger StürenburgDieser Tage befindet sich eine so außergewöhnliche, wie – gerade deshalb – extrem faszinierende kreative Paarung auf umfangreicher Deutschland-Tournee: Zwei phänomenale Künstler mit Charme, Schmiß und vor allem ausgeprägter Begabung, beseelt von kraftvollen, ausdrucksstarken, auch wandlungsfähigen und belastbaren Soulstimmen, die im Pop, Jazz oder Blues allerdings genauso treffsicher zu Hause sind. Genau gesagt, die in Sibirien geborene Russlanddeutsche JULIA NEIGEL und der ursprünglich aus dem kroatischen Zadar stammende, heutzutage in Bruchsal nahe Karlsruhe ansässige EDO ZANKI.
Davon konnten sich am vergangenen Sonntag, dem 28. Februar 2010, zahlreiche Zuschauer im ENDLICH nicht mehr winterlichen, verschneiten Hamburg ein Bild machen. Im „Delphi Showpalast“, unweit des Schanzenviertels gelegen, der ansonsten zumeist für Musicaldarbietungen genutzt wird, bewiesen Julia und Edo in einwandfreier Art und Weise, daß es auch klassischen Soul (ich meine nun NICHT die „moderne“ Ausformung dieser Stilistik, von Xavier Naidoo bis „Söhne Mannheims“!) in deutscher Sprache geben kann. Um 20.15 Uhr betraten Julia und Edo – mitsamt einer vierköpfigen Begleitband, darunter der zeitweilige Bassist von Heinz Rudolf Kunzes „Verstärkung“, Raoul Walton (1995-2002) – die Bühne des sympathischen „Delphi Showpalast“ und legten los mit dem aufmunternden 1991er-Hymnus „Unsere Zeit wird kommen“. Edo übernahm den Hauptgesang, dazu fegte Julia wild, aufreizend und süß über die Bühne, bevor sie selbst einen eigenen Titel namens „Alles, was Du brauchst“ intonierte. Als nächste „Gemeinschaftsarbeit“ folgte der 1982er-„Spliff“-Großstadtrockklassiker „Heut’ Nacht“ – ein legendärer Titel aus der ebenso sagenumwobenen Hit-LP „85 555“ der unvergessenen Berliner Rock-Heroen um Herwig Mitteregger und Co. Doch die schwarzhaarige Deutschrock-Schönheit hatte zugleich ganz neue, bislang unveröffentlichte Songs für ihre Fans vorbereitet. Diese erklangen wesentlich härter, gitarrenlastiger, im positivsten Sinne des Wortes „schräger“, als das meiste Frühere aus dem Hause Neigel. Diese äußerst gelungenen, wenn auch ungewohnt „lauten“ Rockdramen nennen sich „Ich fühl nichts mehr“ und „Teufel“, wobei letztere eher im mittleren, erstere Nummer jedoch eher im rasanteren Tempo gehalten war. Nun war wiederum Edo an der Reihe, der seinen knisternden 1985er-Evergreen „Dein roter Mund“, verfeinert mit jazzigem Scat-Gesang, der übrigens ein Zitat aus Gershwins „Rhapsody in Blue“ darstellte, auf dem Zettel stehen hatte, eine schiere Wahnsinnskomposition aus dem unerreichten Soul/Pop/Rock-Meisterwerk „Ruhig Blut“, und danach, zusammen mit Julia, etwas wiederum ganz Besonderes anstimmte: Ja, und dann wurde reale Musikgeschichte geschrieben: Der Ende der 50er aus Kroatien nach Deutschland umgesiedelte Vollblutmusiker Edo Z. hatte 1983 für die in Berlin lebende Chanteuse, Liedermacherin und Buchautorin Ulla Meinecke deren größten Erfolg „Die Tänzerin“ ersonnen: Eine fingerschnippende, swingende Pop/Chanson/Jazz/Soul-Melange höchster Qualität und betörender Eingängigkeit, zu der Ulla seinerzeit selbst die trefflichen Worte gefunden hatte, und die zu den klanglichen Höhepunkten ihrer damaligen Top-LP „Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig“ gerechnet werden muß. Edo führte in den letzten Jahren diesen Titel bei seinen eigenen Konzerten höchst gelegentlich ‚live’ auf – spielte aber dazu niemals selbst Keyboards. Diesmal lieh Julia diesem Deutschrock-Meilenstein ihre Stimme – und der Komponist dessen stand hinter den Synthesizer-Türmen und begleitete seine Co-Musikerin liebevoll, engagiert und jazzinfiziert an den Tasten. Eine Klasse Darbietung, die Auditorium und Künstler in eine ca. 20minütige, wohlverdiente Pause entließ. Kaum war diese beendet, begab sich Julia auf die Spuren des 2003 verstorbenen Rockcharmeurs Robert Palmer und zelebrierte in seinem Sinne ihren 1994er-Hardrocker „Sehnsucht“; zwar eine ureigene Neukomposition, die aber eindeutig und unüberhörbar beeinflusst ist von Roberts elitärem 1986er-Liebesgeständnis „Addicted to Love“, einem DER relevantesten Rockhämmer der 80er Jahre. Für die unvermeidliche Abteilung „Greatest Hits“ hatte sich Julia, die während des Auftritts immer wieder mit manchem Zuschauer von der Bühne aus ziemlich heftig flirtete und schäkerte (Wer dat wohl gewesen sein mag???… Der Verf.! – ja, der war’s ;))), ihre Schuhe ausgezogen, stand nun Barfuß vor dem Mikrophon – zunächst gab es Edos 1977 entstandene quasi „Erkennungsmelodie“, „Viertel vor Neun, Viertel vor Zehn (Gib mir Musik)“, einst von Tina Turner auf deren erster Solo-LP ohne Ike, „Rough“, mit englischer Lyrik als „Fruit of the Night“ aufgenommen, in ellenlanger Version zu hören, woraufhin Julia auf ihre erfolgsverwöhnten Anfänge von vor über 20 Jahren zurückblickte und – wie kann es anders sein? – ihr inzwischen längst Legendenstatus innehabendes Singledebüt „Schatten an der Wand“, im Frühsommer 1988 immerhin Rang 35 in den offiziellen Singlehitparaden der „Media Control“, korrekt, deftig, energetisch, ‚soulful’ und mit phonstarkem Chorgesang der aus dem Häuschen geratenen Anwesenden, gleichsam in Überlänge vollführte. Um 22.30 Uhr verließen zwei sichtlich glückliche Künstler die Bühne des „Delphi Showpalast“ – Julia strahlte wie sonst was, Edo gab sich hoch erfreut, ohne seine bisherige Contenance, Coolness und Zurückhaltung zu verlieren; die vier Bandmusiker genossen die positive Resonanz der Anwesenden einfach nur schweigend und lächelnd. Es herrschte eine super, fast brodelnde Stimmung in der Halle, die förmlich nach Zugaben schrie. In diesem Rahmen ertönten bald die von Julia verfasste Pianoballade „Du bist nicht allein“, diesmal gesungen von Edo solo, und ganz zum Schluß einmal mehr ein grandioses Duett der beiden Hauptakteure: „An Angel“ von Frauenschwarm Robbie Williams, unter die Haut gehend und intim, so rockig, wie einfühlsam, dargeboten. Nach knapp zweieinhalb Stunden schweißtreibender Show, entließen Julia Neigel und Edo Zanki ein, durch und durch glückliches, zufriedenes Hamburger Publikum in die zwar verregnete, doch immer deutlicher frühlingshafte Züge tragende Sonntagnacht. Es war ein sehr gut austarierter, dramaturgisch perfekt inszenierter Konzertabend voller Überraschungen. Die Idee, es zwei so unterschiedlichen Persönlichkeiten, gleichermaßen hoch talentiert, jederzeit aufeinander eingehend, miteinander auf der Bühne kongenial kommunizierend und doch scheinbar in grundverschiedenen Welten lebend, zu ermöglichen, zusammen ihren künstlerischen Gestaltungsformen freien Lauf zu lassen, scheint punktgenau aufgegangen zu sein. Eigentlich soll die Zusammenarbeit zwischen den beiden Radikal-Kreativlingen auf Einmaligkeit ausgerichtet sein. Aber, in Anbetracht dieser unglaublichen Begeisterung, sowohl auf, als auch vor der Bühne, war im „Delphi Showpalast“ geradezu zu riechen, daß „eigentlich“ nur „eigentlich“ heißt und eine Fortsetzung des Projekts keinesfalls auszuschließen ist. Die weiteren Termine der „Rock’n’Soul 2010“-Tournee von Julia Neigel und Edo Zanki: +++ 05.03.10 REMSCHEID/ KLOSTERKIRCHE Weitere Informationen:
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