Klausjürgen Wussow lernte ich kennen 1983 während der Salzburger Festspiele. Seine damalige Ehefrau, Ida Krottendorf, spielte im „Jedermann“ (Inszenierung erstmals mit Klaus Maria Brandauer als Jedermann und Marthe Keller als Buhle) des Schuldknechts Weib – ein guter Grund, mitsamt den Kindern dort vorbeizuschauen. Ich lernte Barbara und Alexander kennen, und gemeinsam warteten wir eines Nachmittags auf den „Papa“. Er hatte sich ein bisschen verspätet. Ungeduldig schaute ich immer wieder in die Richtung, aus der wir ihn erwarteten. Plötzlich rief Barbara „da ist er ja“….ich konnte keinen KJW sehen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe ich realisierte, dass der attraktive Kerl, der auf uns zu kam, tatsächlich „der“ TV-Star war – kannte ich ihn doch nur aus sehr jungen Jahren, als er in „Kurier der Kaiserin“ Karriere machte. Entgegen kam mir ein „in die Jahre gekommener“ Wussow. Das war mir damals peinlich, ihn nicht sofort erkannt zu haben….aber niemand hatte es wirklich bemerkt. Während der Salzburger Zeit haben wir einander gut kennenlernen können. Ich machte Barbaras erste „professionelle“ Bewerbungs- und viele Familienfotos, wir gingen miteinander essen, führten nicht enden wollende Gespräche über alle Themen der Weilt…eine schöne Zeit, während der ich aber bereits feststellte, dass KJW dazu neigte, den ganzen Weltschmerz in sich aufzunehmen und mit dem Leben zu hadern. Es gibt solche Menschen, die irgendwie immer ein bisschen „unglücklich“ sind – und damit auch irgendwie glücklich…. Während vieler Jahre hatte ich noch sehr oft die Gelegenheit viele schöne Fotos zu machen und sehr vertraute Gespräche zu führen. 1987 machte ich für „Frau im Spiegel“ eine große Reportage über Wussows Engagement für die Kinderkrebsklinik im Schwarzwald. Ich musste während einer Woche mehrere Familien bei allen möglichen Aktivitäten fotografieren, immer in Eile darauf bedacht, dass meine Fotos nach mindestens 3 Wochen Miteinander aussehen mussten. Das hieß, mehrmals andere Kleidung, die Motive mussten bei den Familien möglichst unterschiedlich sein usw. Der Stress war nicht das Schlimmste: Wussow und seine damalige Frau Yvonne qualmten ununterbrochen. Auch die Eltern der krebskranken Kinder rauchten eine Zigarette nach der anderen. Der Direktor der Klinik, dem ich diese krasse, für mich unvereinbare Tatsache mit einer Klinik, in der Kinder gesund werden und Eltern ein gewisses „Bewusstsein“ entwickeln sollten, vor Augen hielt, sagte mir: „Ich kann den Eltern das Rauchen nicht verbieten“. Auch Wussow verkündete bei einer größeren Veranstaltung, an der alle Eltern, Kinder sowie Gäste der Klinik ihm Fragen stellen durften, „Ich rauche gern, ich genieße das…und ich lasse mir das nicht verbieten“…..Wenn wir in einem kleinen Raum saßen und die nächsten Motive besprachen, war ich gezwungen in einer dicken Dunstwolke zu sitzen, und am Abend, wenn ich mit Klaus und Yvonne noch eine letzte Mahlzeit einnahm, war es nicht besser. Zurück in meinem kleinen Hotelzimmer waren meine Schleimhäute schwarz, und ich hatte Mühe zu atmen. Besonders schlimm war es am nächsten Morgen: die nächtlichen Ausdünstungen hatten sich so sehr in mein Zimmer verflüchtigt, dass es wie ein Raucherzimmer roch….es war furchtbar! Dennoch stellte ich eine wirklich packende Reportage zusammen – Profi ist Profi. Leider war dieses Kettenrauchen aber auch der Grund, weshalb ich nicht allzu oft den Kontakt zu diesem Mann mit dem grossen Herzen suchte. Ein schönes Wiedersehen gab es 1986 auf dem Hamburger Presseball. Ein Kollege machte für mein privates Fotoalbum einen Schnappschuss, auf dem ich mit Wussow und Gabi Dohm abgebildet bin – ein schönes Andenken. Als Benjamin geboren wurde, war ich wieder öfter mit Klaus und Yvonne zusammen – Yvonne hatte, als sie von der Schwangerschaft erfuhr, sofort das Rauchen eingestellt, und Klaus hat rücksichtsvoll nur noch im Garten geraucht – und weniger als früher. Es gab eine Zeit, in der es mir nicht gut ging. Wie so oft im Leben gab es keine Freunde – aber Klaus, der war da. Er hat mir in einer ausweglosen Situation sehr geholfen, ohne viele Fragen zu stellen. Das werde ich ihm niemals vergessen. Wir führten, wenn wir uns trafen, sehr intensive, offene Gespräche. Dabei erfuhr ich, wie sehr er darunter litt, dass sich seine Kinder Barbara und Alexander von ihm abgewandt hatten, weil sie mit Yvonne so gar nicht einverstanden waren. Es nützte auch gar nichts, wenn ich mit meiner „Lebensweisheit“ kam und ihm vermittelte, dass auch dieses sich irgendwann ändern werde. Manchmal schämte er sich nicht, vor mir zu weinen…. Wie schön, dass er eine Aussöhnung mit den Kindern noch erleben durfte. In einem Gespräch 1992 hatte er mir von einer Frau erzählt, die ihn tief beeindruckt hatte. Er sprach sehr liebevoll von ihr - es war Sabine Scholz. Dass er diese Frau später näher kennenlernen durfte und sie sogar geheiratet hat, konnte niemand ahnen. Was immer man über diese Beziehung in den Medien lesen konnte oder denken mag – Wussow hatte in Sabine Scholz doch noch die Frau seines Lebens gefunden – nach langer Odyssee und vielen Schicksalsschlägen. Ich mochte diesen, den ganzen Weltschmerz mit sich herumtragenden Schwerenöter, der ein solch großes, liebevolles Herz hatte, aber immer auch von Menschen enttäuscht wurde…oder vielleicht gerade deshalb? Wieder ist jemand gestorben, dessen Akte in meinem Archiv ich nun schließe. Nach den letzten Jahren, in denen er so krank war, war sein Tod wohl auch eine Erlösung für ihn. Nur eine wirklich kleine Auswahl meiner Fotos möchte ich an dieser Stelle präsentieren. Virginia |