Grosse Ohren bekam ich, als ich vor einiger Zeit eine völlig neue Version des Beatles Songs hörte – eine laszive Stimme und eine wunderschön anzuschauende Sängerin, Katie Melua, trällerte mit einer ganz besonderen, sehr eigenwilligen und für meine Ohren unglaublich faszinierenden Interpretation einen Beatles-Song, der damals ziemlich viel Wirbel auslöste.
Der Titel „Market Day in Guernica“ simuliert die Eindrücke, die sich offenbaren, wenn man mit offenen Augen und ganz bewusst über einen solchen Markt an einem solchen Tag schlendert.
Aber: Aufgrund des Titels (Lucy in the Sky with Diamonds) und des Liedtextes, der eine farbenfrohe und traumhafte Phantasiewelt beschreibt, nimmt man bis heute an, der Song basiere auf einem von Lennons LSD-Trips, der seine Visionen und Bilder wiedergibt und lediglich „getarnt“ wurde. Bekräftigt wird diese These dadurch, dass sich der Titel mit LSD abkürzen lässt. Eingeweihte fühlten sich bestätigt, Gegner zum Kampf aufgerufen. Ein Skandal war es allemal. John Lennon und Paul McCartney hatten diesen Song für das Album „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band” geschrieben und möglicherweise den Schalk im Nacken (oder was anderes?).
Damals hatte ich absolute keine Ahnung, dass sich die „Beatles“ mit diesem Titel (angeblich) einen Spaß erlaubt hatten und nichts anderes als LSD zum Thema machten. Auch die „Moody Blues“ besangen seinerzeit den „King des LSD“ Timothy Leary…... Damals waren das für mich einfach nur „melodische“ Songs, Text unwichtig….
Die wundersamen Visionen mit LSD im Kopf kenne ich nur aus Erzählungen. Weder habe ich jemals Hasch geraucht, weil ich weder früher noch heute Raucherin war/bin, noch habe ich andere halluzinogene Drogen konsumiert. Heute denke ich manchmal, ein bisschen Hasch-Erfahrung oder mal ein kleiner LSD-Trip hätte mir vielleicht nicht geschadet und mich zumindest die glücklich-verklärten Gesichter der Menschen verstehen lassen, denen ich in grosser Anzahl auf der Wendepunkt-Messe 1993 begegnete. Professor Albert Hoffmann, der Entdecker des LSD, war zu einem Vortrag geladen. Und erst während seines euphorischen, spannenden Vortrags ging mir ein Licht nach dem anderen auf….
Gebannte Stille herrschte im völlig überfüllten Saal. Nicht wenige Zuhörer lächelten wissend in sich hinein und zum LSD-Guru hin, als er sehr bild- und lebhaft seine außersinnlichen Erlebnisse und die Zeiten, in denen er mit
Banausen kämpfen musste, beschrieb…..Und nicht wenige hatten auch sehr verdächtig glasige Augen und lauschten eher verklärt bis abwesend, einfach glücklich, dabeizusein und in der Aura dieses beeindruckenden Mannes zu baden.
Hofmann beschrieb die Erfahrungen mit LSD so lustvoll, dass ich mir sehr gut ausmalen konnte, was so mancher nach diesem Vortrag auf dem Plan hatte. Ich hatte nur eines auf dem Plan: Fotos machen.
Ich lernte Albert Hofmann vor meiner Kamera kennen, und das einzige, was er immer wieder sagte war: „Was wollen Sie denn mit Fotos von einem alten Kerl wie mir“….1993 war er „erst“ 87 Jahre – heute ist der quirligen Professor, der noch nichts von seiner Vitalität verloren hat, immerhin bereits 101 Jahre alt ! Und das, wo er – und daraus macht er keinen Hehl - seine „Erforschungen“ mit LSD und vielen anderen bewusstseinsverändernden Drogen an sich selbst rege ausprobiert hatte. Dieser Mann ist eine lebende Legende! Seine Erkenntnisse über LSD waren und sind Grundlagen vieler wissenschaftlichen Entwicklungen, die letztenendes zum Segen der Menschheit eingesetzt werden.
Ein bisschen Vita:
Als Kind lebte Hofmann außerhalb Badens. Fuhrwerke mit Pferden waren noch die Verkehrsmittel. Die Natur hat ihn besonders geprägt. Er erinnert sich noch sehr gut an die Zeit, in der das Telefon erfunden wurde. Als sein Vater die Schwindsucht bekam, zogen Sie ins Badener Industriegebiet. Hofmann war hochbegabt er wollte unbedingt Naturwissenschaften studieren. Als Naturstoffchemiker befasste er sich bei der Firma Sandoz auf der Suche nach Kreislauf anregenden Substanzen mit dem Getreidepilz Mutterkorn. 1938 fand er das LSD und entdeckte am 19. April 1943 dessen halluzinogene Wirkung.
Diese Droge machte ihn weltbekannt und zum Autor von Büchern über LSD, Naturwissenschaft und mystische Erfahrungen. Er hatte sich auch mit der von den Indianern für heilige Rituale verwendeten Pilzdroge Psilocybin befasst. Nicht ohne Grund nennt man ihn auch liebevoll den „Schamanen des LSD“.
Heute spricht er gerne über seine Erkenntnis, dass die Naturwissenschaft nichts entzaubert, sondern sich das Leben, je tiefer man geht immer wunderbarer zeigt und die Schönheit sich in allem offenbart…..vorausgesetzt, man hat noch die Augen dafür, ist noch eins mit der Natur. Und er bedauert, dass immer mehr Menschen diese Verbindung völlig verloren haben. „In Städten kann man das nicht finden“. So vieles könnte ich hier noch erzählen, denn Albert Hofmann hat viele Anekdoten auf Lager.
Wenn ich zum hundertstenmal (ich kann nicht genug davon bekommen!) Katie Melua „Lucy in the Sky with Diamonds“ singen höre, frage ich mich, ob wohl diese wunderbare neue Generation um die Skandale rund um LSD von damals weiß – und dass der liebenswerte „alte“ Professor, der das LSD gefunden hatte, noch heute unter uns weilt.
Wer mehr über Albert Hofmann erfahren will findet im Internet reichlich Infos. Ich zeige hier lieber ein paar Fotos, die ich von Professor LSD machen durfte u.a. mit Gary Thomas, „The Didgman“, und Jens Zygar, dem „Gong-Man“.
Virginia