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Modern Talking - 25 Years of Disco-Pop - im Test von Holger StürenburgWir schreiben das Frühjahr 1985 - also, 25 Years ago – Viele von uns waren damals, wie der Verfasser dieser Zeilen, Schüler, jung & wild & schön & wissbegierig – vor allem nach allem, was sich in der Rock- und Popszene so alles abspielte. Ja, und auf einmal kamen zwei nette, junge Herren daher – offenbar mit dem Ziel, unsere jeweilige ‚musikalische Sozialisation’ gehörig über den Haufen zu werfen. Bereits im September 1984 ließen Bohlen und Anders das Projekt „MODERN TALKING“ starten. Es erschien die erste gemeinsame Single „You’re my Heart – You’re my Soul“. Sie wurde auf dem damaligen internationalen „Super 20“-Sampler von ARIOLA verkoppelt – Null Resonanz. Doch, kurz nach der Jahreswende von „Orwell-Jahr“ (1984) zu „Yuppie-Jahr“ (1985), begannen sich die Fans so nach und nach für Dieters und Thomas’ genialisches Euro-Disco-Projekt „Modern Talking“ zu interessieren. Im Januar 1985 zog „You’re my Heart…“ in die deutschen „Media Control“-Listen ein, am 4. März stand der ultraeingängige Titel auf dem ersten Rang und verblieb dort rund sechs Wochen. Die Grundlage für das wohl kommerziell erfolgreichste deutsche Popprojekt der 80er Jahre war hiermit gelegt. Dieter und Thomas gelang es, ALLE Freunde der Unterhaltungsmusik mit ihrem so leicht-lockeren, wie einfach nur faszinierenden Radikal-Mainstream-Pop in ihren Bann zu ziehen. Ja, und nun, 25 Years after, hat SONY Music – in Zusammenarbeit mit so lieben, wie kompetenten Freunden und Kollegen der Sorte Frank Eberlein oder Reinhard Meynen – das ultimative Best-of-Doppelalbum von „Modern Talking“ veröffentlicht!!! „25 Years of Disco-Pop“ vereint tatsächlich, wie auf dem Cover vermerkt „Alle Hits aus 25 Jahren“ – und liefert somit einen perfekten Überblick über das kreative Schaffen der Herren Bohlen und Anders! Klar, daß CD-01 mit „You’re my Heart – You’re my Soul“ beginnt. Ich erinnere mich: Wir hielten diese wunderschöne, eingängige Discomelodie damals für etwas umwerfend Neues. Diese Mixtur aus Coolness und Heißblütigkeit hatte es nie zuvor gegeben. Das war einfach ZEITGEIST in bester Ausformung – das gehörte schlicht dazu (auch, wenn wir offiziell nicht dazu standen…) Auf „You’re my Heart…“, folgte im April 1985 Single Numero Zwei: Noch eine Spur „cooler“ und „zeitgeistiger“, trällerte Thomas Dieters am Erstling sehr nahe gehaltene Komposition „You can win – if you want“ – im Mai 1985 ein weiterer Nummer-Eins-Treffer, der die Veröffentlichung des „1st Albums“ von „Modern Talking“ begleitete: KEINER VON UNS kaufte sich die LP, klar ;))) – aber, wir alle besaßen sie aus unerfindlichen Gründen… jedenfalls gab es genügend Menschen, die dafür sorgten, daß „Modern Talking’s“ Debüt-LP wochenlang auf dem Spitzenrang der offiziellen deutschen Albumcharts verharrte… „Modern Talking“ waren DAS Zeitgeist-Thema Nummer Eins im Sommer 1985. Dieter und Thomas traten in allen wichtigen TV-Shows auf; die Medien bemühten sich um Interviews und Homestorys; „kritische“ Geister scheiterten mit ironischen Seitenhieben, die oft gar ins Beleidigende gingen und für die Urheber mit Schmerzensgeldzahlungen an die Protagonisten endeten. Im September 1985 folgte „Cheri, Cheri Lady“ als Single und Vorbote auf „Let’s talk about Love“, das zweite Album von „Modern Talking“. Obwohl den beiden ersten Hits alles andere als unähnlich, stieg die propere Hymne auf die „Cheri, Cheri Lady“ umgehend nach Erscheinen auf den ersten Rang der einheimischen Singlecharts. Und nun ging es langsam, aber sicher, bergab mit Dieter und Thomas – die im Herbst 1986 veröffentlichte kleine Schwarze „Geronimo’s Cadillac“ war „nur“ noch Rang 3, das im November folgende Album „In the Middle of Nowhere“ erreichte nicht mal mehr die Top 10; die zu Weihnachten daraus ausgekoppelte Winterballade „Give me Peace on Earth“ fand sich gerade mal auf Rang 29 (!) der Singlecharts wieder. Eine absolute Enttäuschung, die dazu führte, daß „Modern Talking“ in Futuro keinerlei langsame Lieder mehr als Single vorlegten. Im Juni 1987 gab’s den poppig-peppigen „Jet Airliner“ zu hören; eine Klasse Disco/Pop-Melange im klassischen Bohlen-Sound gehalten, die aber niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockte – zu „erzwungen“ klang das Lied, geradezu lieblos im Sinne der berühmten Vorbilder arrangiert. „Modern Talking“ hatten nichts mehr zu sagen, waren längst keine unübersehbaren Figuren des „Zeitgeistes“ mehr – dieser stand ab Spätsommer 1987 eindeutig auf der Seite des kommerzgeilen britischen Produzententrios „Stock/Aitken/Waterman“, die Bohlen Strategie, „Music for the Masses“ (Albumtitel der Synthipop-Heroen „Depeche Mode“ im Herbst 1987) am Fließband zu erschaffen, zuspitzten und in (hier spricht der „optimistische Kulturpessimist“ Holger S.!) geradezu dekadenter Weise zu übertreiben. Der aufgeregte, keinesfalls sympathische Discopopper „In 100 Years“ war vorerst der letzte Charts-Titel von „Modern Talking“, gestrauchelt im Dezember 1987 auf Rang 30 der „Media Control“. Diese, soeben beschriebene Phase von „Modern Talking“ handeln die Verantwortlichen von SONY im Rahmen der ersten Silberscheibe von „25 Years of Disco-Pop“ absolut trefflich und historisch korrekt ab. Man koppelte ein paar leckere Albumtitel („Just we two“ (Mona Lisa)“, „Sweet little Sheila“, „One in a Million“) ebenso hinzu, wie nicht wenige rare Maxiversionen (wobei ich mir in diesen Fällen ganz sicher bin, unserem lieben Maxi-Freak Frank Eberlein vom MDR hier ganz besonders danken zu müssen!!!): Es gibt auf CD-01 von „25 Years of Disco-Pop“ u.a. einen „Long Vocal Mix“ der Edelpopballade „Keep Love alive“ (1986), einen House-angehauchten „Long Version Future Mix“ des (vorerst) letzten „Modern Talking“-Hits „In 100 Years“ (1987), einen aufgedonnerten, geschmacklich nicht gerade vom Hocker hauenden Bum-Bum-Remix des 1986er-Knallers „Brother Louie“ und ein viel zu extrem bumsender„Extended Remix“ des Erstlingshits „You’re my Heart…“ zu hören, überarbeitet von einem Herrn namens Paul Masterson, seines Zeichens nordirischer DJ., der seinerzeit u.a. für die liebenswerte britische Girl-Group „Bananarama“, die australische Discopop-Sirene Kylie Minogue oder ex-„Culture Club“-Mastermind Boy George tätig war. 1987/88 hatten sich Dieter und Thomas nichts mehr zu sagen. Meister Bohlen rief sein fast durchgehend überzeugendes New-Romantic-/Disco-Projekt „Blue System“ ins Leben, Genosse Anders schlug sich als kaum reputierlicher Solointerpret durch… Bis 2003 kamen insgesamt sechs weitere Alben von „Modern Talking“ plus eine Best-of-Kollektion auf den Markt. Die meisten derer landeten unter den ersten Drei der „Media Control“. Daraus ausgekoppelt wurden zig Singlehits. So z.B. der fetzige, rasante „Sexy, Sexy Lover“ (1999), der absolute super Discofox-Schlager und Ohrwurm erster Güteklasse, „You are not alone“ (dito), das opulente, großorchestrale Disco-Epos „China in her Eyes“ (2000), das zeitnahe, äußerst gekonnte und eingängige Tanz-Drama „Don’t take away my Heart“ (dito) oder die freche, offensive Formel-Eins-Huldigung „Win the Race“ (2001). Das mediterrane, südamerikanisch feurig inszenierte Schmankerl „No Face, No Name, No Number“ (2000) und der stilistisch nahezu genauso ausgerichtete Tanzpopper „Mystery“ (2003) wurden für CD-02 von „25 Years op Disco-Pop“ als spezifische Albumtracks ausgewählt. Cool, edel und stilvoll erklingt die zweite 2002er-Single „Juliet“ – ein sprichwörtlicher Evergreen, der alles in sich trägt, was einen zeitlosen Hit ausmacht. Die Kollegen von SONY Music haben, in Kooperation mit den Lesern der „BILD“-Zeitung, für vorliegendes Doppelalbum fraglos ganze Arbeit geleistet. „25 Years of Disco-Pop“ trägt wahrhaftig alles in sich, was der plietsche 80er-Fan seitens Dieter und Thomas sein Eigen nennen sollte. „Modern Talking“ waren Kult – sie sind Kult – und sie werden (selbst, wenn sich beide Ex-Partner ohne rechtsanwaltliche Begleitung nicht mehr über den Weg laufen mögen…) auch jetzt und in Zukunft Kult bleiben! Die Lieder mögen oft untereinander sehr ähnlich klingen, keine Frage – aber sie haben nun mal teutonische, gar europäische Musikgeschichte geschrieben. Dagegen kann nichts eingewendet werden. Sie sind 80er-Jahre-Nostalgie pur – und auch die neueren Sachen aus 1998ff gelten längst als Gassenhauer. „Modern Talking“ – so komisch es auch klingen mag – waren dieser Tage vor einem Vierteljahrhundert absolut neuartig – sie sind es heute, 25 Years later, noch genauso!!! |
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