Modern Talking - 25 Years of Disco-Pop - im Test von Holger Stürenburg

Wir schreiben das Frühjahr 1985 - also, 25 Years ago – Viele von uns waren damals, wie der Verfasser dieser Zeilen, Schüler, jung & wild & schön & wissbegierig – vor allem nach allem, was sich in der Rock- und Popszene so alles abspielte.
Wir hörten die seinerzeitigen Nummer-Eins-Hits „The Wild Boys“ („Duran Duran“), „One Night in Bangkok“ (Murray Head) oder „Shout“ („Tears for Fears“). Schlagerfans schworen auf „Goodbye, my Love – Verzeih’ my Love“ (Peter Alexander & Mireille Mathieu) oder „Flieg mit mir zu den Sternen“ (Roland Kaiser); wir Deutschrocker genossen Wolf Maahns Meisterwerk „Irgendwo in Deutschland“ und freuten uns auf das angekündigte Album von Purple Schulz („Verliebte Jungs“).

Ja, und auf einmal kamen zwei nette, junge Herren daher – offenbar mit dem Ziel, unsere jeweilige ‚musikalische Sozialisation’ gehörig über den Haufen zu werfen.
Der eine hieß DIETER BOHLEN, stammte aus Niedersachsen, verirrte sich zu Jugendzeiten kurzzeitig zu SDAJ und DKP, studierte Betriebswirtschaftslehre – und tat sich seit Ende der 70er als Produzent/Komponist für diverse Schlagerinterpreten von Roland Kaiser bis Bernd Clüver hervor und war zeitweise nicht gerade gesangsstarkes Mitglied der Popformation „Sunday“.
Der andere war THOMAS ANDERS, seines Zeichens Germanist und Musikwissenschaftler aus Koblenz; er hatte Anfang der 80er mehrere absolut gelungene, aber leider durchwegs gefloppte, deutschsprachige Singles – z.B. „Was macht das schon“ (1983), „Endstation Sehnsucht“ (dito) oder „Heißkalter Engel“ (1984) -, von Bohlen produziert, veröffentlicht.

Bereits im September 1984 ließen Bohlen und Anders das Projekt „MODERN TALKING“ starten. Es erschien die erste gemeinsame Single „You’re my Heart – You’re my Soul“. Sie wurde auf dem damaligen internationalen „Super 20“-Sampler von ARIOLA verkoppelt – Null Resonanz. Doch, kurz nach der Jahreswende von „Orwell-Jahr“ (1984) zu „Yuppie-Jahr“ (1985), begannen sich die Fans so nach und nach für Dieters und Thomas’ genialisches Euro-Disco-Projekt „Modern Talking“ zu interessieren.
Dieter komponierte, arrangierte, spielte Gitarre (bzw. tat er so, als ob); Thomas übernahm die Lead Vocals und fummelte am in den mittleren 80ern so beliebten Hänge-Keyboard herum. Musikalisch war das ganze eine treffliche Mixtur aus klirrend kalten New Romantic-Spielereien, klassischem Mitt-80er-Synthipop, leichten, aber unüberhörbaren New-Jazz-Einflüssen und diskothekentauglichen Rhythmen, prädestiniert für die Tanzflächen der ganzen Welt!

Im Januar 1985 zog „You’re my Heart…“ in die deutschen „Media Control“-Listen ein, am 4. März stand der ultraeingängige Titel auf dem ersten Rang und verblieb dort rund sechs Wochen. Die Grundlage für das wohl kommerziell erfolgreichste deutsche Popprojekt der 80er Jahre war hiermit gelegt. Dieter und Thomas gelang es, ALLE Freunde der Unterhaltungsmusik mit ihrem so leicht-lockeren, wie einfach nur faszinierenden Radikal-Mainstream-Pop in ihren Bann zu ziehen.
Ich erinnere mich: Ich war damals knapp 14 Jahre alt und galt in der Schule als überzeugter „Deutschrocker“ und „Rockintellektueller“; andere in der 9. Klasse des Hamburger Jenisch-Gymnasiums präferierten Madonna oder „Level 42“; wiederum andere Jackson Browne oder Bruce Springsteen. Alle hatten wir aber eines gemein: Wir distanzierten uns erbost und echauffiert von „Modern Talking“ – aber natürlich freuen wir uns alle auf „The 1st Album“ (VÖ: April 1985) und hörten zu Hause, wenn uns keiner störte (und unser pubertäres „Image“ keine Rolle spielte!) „You’re my Heart…“ rauf und runter!!!

Ja, und nun, 25 Years after, hat SONY Music – in Zusammenarbeit mit so lieben, wie kompetenten Freunden und Kollegen der Sorte Frank Eberlein oder Reinhard Meynen – das ultimative Best-of-Doppelalbum von „Modern Talking“ veröffentlicht!!! „25 Years of Disco-Pop“ vereint tatsächlich, wie auf dem Cover vermerkt „Alle Hits aus 25 Jahren“ – und liefert somit einen perfekten Überblick über das kreative Schaffen der Herren Bohlen und Anders!

Klar, daß CD-01 mit „You’re my Heart – You’re my Soul“ beginnt. Ich erinnere mich: Wir hielten diese wunderschöne, eingängige Discomelodie damals für etwas umwerfend Neues. Diese Mixtur aus Coolness und Heißblütigkeit hatte es nie zuvor gegeben. Das war einfach ZEITGEIST in bester Ausformung – das gehörte schlicht dazu (auch, wenn wir offiziell nicht dazu standen…)

Auf „You’re my Heart…“, folgte im April 1985 Single Numero Zwei: Noch eine Spur „cooler“ und „zeitgeistiger“, trällerte Thomas Dieters am Erstling sehr nahe gehaltene Komposition „You can win – if you want“ – im Mai 1985 ein weiterer Nummer-Eins-Treffer, der die Veröffentlichung des „1st Albums“ von „Modern Talking“ begleitete: KEINER VON UNS kaufte sich die LP, klar ;))) – aber, wir alle besaßen sie aus unerfindlichen Gründen… jedenfalls gab es genügend Menschen, die dafür sorgten, daß „Modern Talking’s“ Debüt-LP wochenlang auf dem Spitzenrang der offiziellen deutschen Albumcharts verharrte…

„Modern Talking“ waren DAS Zeitgeist-Thema Nummer Eins im Sommer 1985. Dieter und Thomas traten in allen wichtigen TV-Shows auf; die Medien bemühten sich um Interviews und Homestorys; „kritische“ Geister scheiterten mit ironischen Seitenhieben, die oft gar ins Beleidigende gingen und für die Urheber mit Schmerzensgeldzahlungen an die Protagonisten endeten.

Im September 1985 folgte „Cheri, Cheri Lady“ als Single und Vorbote auf „Let’s talk about Love“, das zweite Album von „Modern Talking“. Obwohl den beiden ersten Hits alles andere als unähnlich, stieg die propere Hymne auf die „Cheri, Cheri Lady“ umgehend nach Erscheinen auf den ersten Rang der einheimischen Singlecharts.
Es blieb bei dieser einen Auskoppelung – im Februar 1986 sandten „Modern Talking“ einen ganz neuen Titel namens „Brother Louie“ ins Rennen. Simpel, schlicht gestrickt, aber einfach unwiderstehlich – dies roch von vornherein nach einer erneuten Nummer Eins – und als genau diese erwies sich der „Bruder Ludwig“ (Zitat: NDR-Moderatorenikone Willem F. Dincklage, 1986) in bester Form.
Ja, und dann gab’s im Juni 1986 DEN absoluten Favoriten des Rezensenten als neue 45er: „Atlantis is Calling (S.O.S. for Love)“ – eine wahrhaft traumhafte Ode auf Romantik und erotische Mystik. Der letzte Nummer-Eins-Hit für „Modern Talking“ übrigens; zugleich Einstieg in das dritte Album des Duos, „Ready for Romance“, das neben „Atlantis…“ auch „Brother Louie“ beinhaltete.

Und nun ging es langsam, aber sicher, bergab mit Dieter und Thomas – die im Herbst 1986 veröffentlichte kleine Schwarze „Geronimo’s Cadillac“ war „nur“ noch Rang 3, das im November folgende Album „In the Middle of Nowhere“ erreichte nicht mal mehr die Top 10; die zu Weihnachten daraus ausgekoppelte Winterballade „Give me Peace on Earth“ fand sich gerade mal auf Rang 29 (!) der Singlecharts wieder. Eine absolute Enttäuschung, die dazu führte, daß „Modern Talking“ in Futuro keinerlei langsame Lieder mehr als Single vorlegten.

Im Juni 1987 gab’s den poppig-peppigen „Jet Airliner“ zu hören; eine Klasse Disco/Pop-Melange im klassischen Bohlen-Sound gehalten, die aber niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockte – zu „erzwungen“ klang das Lied, geradezu lieblos im Sinne der berühmten Vorbilder arrangiert. „Modern Talking“ hatten nichts mehr zu sagen, waren längst keine unübersehbaren Figuren des „Zeitgeistes“ mehr – dieser stand ab Spätsommer 1987 eindeutig auf der Seite des kommerzgeilen britischen Produzententrios „Stock/Aitken/Waterman“, die Bohlen Strategie, „Music for the Masses“ (Albumtitel der Synthipop-Heroen „Depeche Mode“ im Herbst 1987) am Fließband zu erschaffen, zuspitzten und in (hier spricht der „optimistische Kulturpessimist“ Holger S.!) geradezu dekadenter Weise zu übertreiben. Der aufgeregte, keinesfalls sympathische Discopopper „In 100 Years“ war vorerst der letzte Charts-Titel von „Modern Talking“, gestrauchelt im Dezember 1987 auf Rang 30 der „Media Control“.

Diese, soeben beschriebene Phase von „Modern Talking“ handeln die Verantwortlichen von SONY im Rahmen der ersten Silberscheibe von „25 Years of Disco-Pop“ absolut trefflich und historisch korrekt ab. Man koppelte ein paar leckere Albumtitel („Just we two“ (Mona Lisa)“, „Sweet little Sheila“, „One in a Million“) ebenso hinzu, wie nicht wenige rare Maxiversionen (wobei ich mir in diesen Fällen ganz sicher bin, unserem lieben Maxi-Freak Frank Eberlein vom MDR hier ganz besonders danken zu müssen!!!): Es gibt auf CD-01 von „25 Years of Disco-Pop“ u.a. einen „Long Vocal Mix“ der Edelpopballade „Keep Love alive“ (1986), einen House-angehauchten „Long Version Future Mix“ des (vorerst) letzten „Modern Talking“-Hits „In 100 Years“ (1987), einen aufgedonnerten, geschmacklich nicht gerade vom Hocker hauenden Bum-Bum-Remix des 1986er-Knallers „Brother Louie“ und ein viel zu extrem bumsender„Extended Remix“ des Erstlingshits „You’re my Heart…“ zu hören, überarbeitet von einem Herrn namens Paul Masterson, seines Zeichens nordirischer DJ., der seinerzeit u.a. für die liebenswerte britische Girl-Group „Bananarama“, die australische Discopop-Sirene Kylie Minogue oder ex-„Culture Club“-Mastermind Boy George tätig war.
Unter dem Pseudonym „Ryan Simmons“ hatte Bohlen bereits 1984 den coolen Discopop-Song „Lucky Guy“ (später auf „Modern Talking – The 1st Album“ als Duoversion zu finden) aufgenommen und als Single – völlig erfolglos – auf den Markt gebracht. „Lucky Guy“ in der Frühversion ist auf CD-01 von „25 Years of Disco-Pop“ in einem freundlichen, ansprechenden „Special-DJ-Mix“ zu vernehmen!

1987/88 hatten sich Dieter und Thomas nichts mehr zu sagen. Meister Bohlen rief sein fast durchgehend überzeugendes New-Romantic-/Disco-Projekt „Blue System“ ins Leben, Genosse Anders schlug sich als kaum reputierlicher Solointerpret durch…
Ja, und am Rosenmontag vor zwölf Jahren – 23. Februar 1998 – traten die Herren Bohlen und Anders vor die Presse und verkündeten eine geplante Reunion von „Modern Talking“. Ten Years after. Diese Nachricht schlug ein, wie eine Bombe. Bereits im Mai 1998 erschien das von uns Alt-80ern (verschämt) lang ersehnte Comebackalbum „Back for good“, das überwiegend aufgemotzte und mit (m.E. unnötigen) Rap-Passagen verunzierte Neuversionen der größten Hits des Duos aus der Vorgängerdekade beinhaltete.
Aber gut: „Modern Talking“ waren wieder da – und wir inzwischen in einem Alter, in dem wir offiziell und unbelächelt dazu stehen konnten, einst lieber verschwiegene Helden unserer Jugend eben jene Verehrung entgegen bringen zu können, was uns 1985/86 – aus pubertären „Reputationsgründen“ – unmöglich erschien.

Bis 2003 kamen insgesamt sechs weitere Alben von „Modern Talking“ plus eine Best-of-Kollektion auf den Markt. Die meisten derer landeten unter den ersten Drei der „Media Control“. Daraus ausgekoppelt wurden zig Singlehits. So z.B. der fetzige, rasante „Sexy, Sexy Lover“ (1999), der absolute super Discofox-Schlager und Ohrwurm erster Güteklasse, „You are not alone“ (dito), das opulente, großorchestrale Disco-Epos „China in her Eyes“ (2000), das zeitnahe, äußerst gekonnte und eingängige Tanz-Drama „Don’t take away my Heart“ (dito) oder die freche, offensive Formel-Eins-Huldigung „Win the Race“ (2001). Das mediterrane, südamerikanisch feurig inszenierte Schmankerl „No Face, No Name, No Number“ (2000) und der stilistisch nahezu genauso ausgerichtete Tanzpopper „Mystery“ (2003) wurden für CD-02 von „25 Years op Disco-Pop“ als spezifische Albumtracks ausgewählt. Cool, edel und stilvoll erklingt die zweite 2002er-Single „Juliet“ – ein sprichwörtlicher Evergreen, der alles in sich trägt, was einen zeitlosen Hit ausmacht.
Nervtötend, überrhythmisiert ertönen dagegen Stampfhymnen der Sorte „Ready for the Victory“ (2002) oder „Last Exit to Brooklyn“ (2001) – eine zweifellos schöne Melodie, die im Arrangement allerdings dem rhythmusbetonten musikalischen Zeitgeist jener Tage unnötig und unsensibel geopfert wurde. Die allerletzte Single der erfolgsverwöhnten Neuformation von „Modern Talking“ erschien im Frühjahr 2003, nannte sich – im typischen Bohlen-Holper-Englisch -  „TV makes the Superstar“, landete auf Rang 2 der „Media-Control“-Charts und setzte sich inhaltlich mit Dieters Tätigkeit als Hauptjuror der umstrittenen RTL-Serie „Deutschland sucht den Superstar“ („DsdS“) auseinander.
Ja, und nach 2003 gerieten Dieter und Thomas wiederum in offenbar unvermeidliche Streitigkeiten, Maestro Bohlen beendete Part-02 von „Modern Talking“ genauso schnell, wie er ihn begonnen hatte.
Zu den genannten Hits der zweiten Ära des so ungleichen Popduos, haben die Verantwortlichen bei SONY zum einen einen jederzeit mitreißenden „U-mas-Mix“ des 2002er-Albumtitels „Higher than Heaven“ – ein schwüler, urbaner Tanzflächenfüller –, sowie einen (man höre und staune!!!) knapp 22minütigen „Space Mix 98“ hinzugekoppelt, der alle Rap-ver(un)zierten Neufassungen der altehrwürdigen 80er-Evergreens im Rahmen eines überlangen Medleys präsentiert!

Die Kollegen von SONY Music haben, in Kooperation mit den Lesern der „BILD“-Zeitung, für vorliegendes Doppelalbum fraglos ganze Arbeit geleistet. „25 Years of Disco-Pop“ trägt wahrhaftig alles in sich, was der plietsche 80er-Fan seitens Dieter und Thomas sein Eigen nennen sollte. „Modern Talking“ waren Kult – sie sind Kult – und sie werden (selbst, wenn sich beide Ex-Partner ohne rechtsanwaltliche Begleitung nicht mehr über den Weg laufen mögen…) auch jetzt und in Zukunft Kult bleiben! Die Lieder mögen oft untereinander sehr ähnlich klingen, keine Frage – aber sie haben nun mal teutonische, gar europäische Musikgeschichte geschrieben. Dagegen kann nichts eingewendet werden. Sie sind 80er-Jahre-Nostalgie pur – und auch die neueren Sachen aus 1998ff gelten längst als Gassenhauer. „Modern Talking“ – so komisch es auch klingen mag – waren dieser Tage vor einem Vierteljahrhundert absolut neuartig – sie sind es heute, 25 Years later, noch genauso!!!
Gesamtnote – Musik:   1 – 2
Gesamtnote – historische Bedeutung: Bestwertung!!!
Quelle: Holger Stürenburg, 06/07. Februar 2010

Amazon:

Was Sie schon immer über Hunde, deren Erziehung und Krankheiten wissen wollten...mehr

Herzlichen Glückwunsch! Sind Sie dabei? Die Antwort finden Sie hier...mehr

Spielzeuge für Männer und solche, die es werden wollen! Alles was Räder hat ...mehr

Von Black Music bis Classic Rock: CD's, die in Ihrer Musiksammlung nicht fehlen sollten...mehr

Insider-Infos und die Reizeziele der Prominenten könnten Ihre nächste Ferienplanung bereichern...mehr 

Hier finden Sie nicht nur Wellness-Produkte! Die Ernährungstipps von Dr. Dörten Wolff werden Ihnen ein neues Körperbewußtsein vermitteln...mehr

Sie sind Single? Die Psycholgin Lisa Fischbach von ElitePartner gibt Ihnen Ratschläge, wie Sie das ändern können...mehr 

Wenn Ihnen die passende Kamera fehlt, finden Sie hier einige Produkte, die auch vom Hobbyfotografen bedient werden können...mehr

Der Traum der "Over Fifties": Einmal mit der Harley die Route 66 fahren! Fotos und Impressionen einer solchen Reise ...mehr

Schön sein ist nicht immer einfach! Insbesondere die Haarentfernung kann unangenehm werden. Effektiv ist "Halawa" - auf dieser Seite sind die Beauty-Tipps...mehr

 

powered by

www.perfect4all.de
www.perfectphoto.de

Partnerseiten

www.perfectphoto.de
www.jaentsch-promotion.de
www.pressejournalisten.org
www.perfect4all.de/1667.html
www.perfectphoto.de
Katy Karrenbauer
Das perfekte Buch
Harley Davidson Fotos