Peer Augustinski - Erfolg bei der Reha durch Robotarm

Hoffnung für Schauspieler Peer Augustinski - am 8.11. 2005 hatte Peer Augustinski eine Hirnblutung, Die Folge: der Künstler war halbseitig gelähmt, das linke Bein und der linke Arm waren taub. Seit vier Jahren ist Peer Augustinski nun in der Physiotherapie und das ständige Training brachte Stück für Stück kleine Schritte der Verbesserung. Doch nun ist ein neues Gerät auf dem Markt – der Robotarm Armeo! Schon mit wenigen Sitzungen merkt der Schauspieler erhebliche Fortschritte und freut sich über zuvor ungeahnte Therapiemöglichkeiten…

„Es war eine Achterbahnfahrt“, erinnert sich Peer Augustinski an die Jahre der Therapie. „An einem Tag bemerkte ich Fortschritte, am nächsten packte mich die Verzweiflung. Nachdem ich im Krankenhaus nach dem Schlaganfall erwachte, dachte ich, dass früher oder später alles wieder gut werden würde.“

Doch weit gefehlt! Obwohl der taube Arm und das Bein anfänglich entspannt waren, setze die für Hirnblutungen typische Spastik ein. Peer Augustinski wurde klar, dass die Verkrampfungen immer stärker werden würden, sich möglicherweise sogar zur totalen Unbeweglichkeit der linken Körperhälfte steigern könnten.

„Alles eine Frage des Willens und der therapeutischen Konsequenz“, dachte er. Doch die Übungen wurden zunehmend schmerzhafter und schwieriger. Peer Augustinski wollte vermeiden, dass sein Arm sich völlig vor der Brust verkrampfte und trainierte fleißig mit seinem Physiotherapeuten Tom Séché in der Praxisgemeinschaft InteGrad in Köln.

„Tom ist ein hervorragender Therapeut“, bestätigt Peer Augustinski, „und wir machten langsam Fortschritte. Aber während meines folgenden Spanienurlaubes dämmerte es mir: „Du wirst nie wieder so sein, wie du mal warst“, schoss es plötzlich durch meinen Kopf. Ich erkannte meine Behinderung und war absolut nicht damit einverstanden! Ich hatte einen Heulkrampf und war verzweifelt.“

Doch Peer Augustinski verlor nie seinen Mut und seinen Humor! Auch wenn es eher „Galgenhumor“ war, es musste weitergehen. Akzeptieren konnte er seine Behinderung nicht, er lernte, mit ihr zu leben und aktiv dagegen anzugehen.

„Na klar“, sagt er, „man stellt sich alle möglichen Fragen und findet es ungerecht. „Warum gerade ich?“ zum Beispiel. Ich habe nie geraucht, nur mäßig Alkohol getrunken und es erwischte mich trotzdem. Da platzt einfach so eine Ader im Gehirn und Sekunden später ist  das Leben völlig verändert. Damit findet man sich nicht ab, mit diesem Schicksal lernt man höchstens zu leben!“

Ehefrau Gisela stand ihm zur Seite. Dreimal wöchentlich fuhr sie ihn zu Tom Séché in die Therapie von Overath nach Köln ins Reha-Zentrum.

„Meine Frau war und ist für mich eine wichtige Stütze“, erklärt Peer Augustinski. „Einfach ihre Anwesenheit gab mir Lebensmut und außerdem kann sie göttlich kochen! Liebe geht durch den Magen!“

Nur musste sich der Künstler andererseits auch einiges anhören: „Stell Dich nicht so an!“ waren oft die Worte der Ehefrau, „Du musst da durch!“

„Da man(n) auf die eigene Frau nicht allzu gerne hört, packte mich natürlich auch die Wut“, erinnert sich Peer Augustinski. „Gisela machte genau das Richtige und bemitleidete mich nicht. Im Gegenteil: sie sagte ziemlich trocken, dass sie absolut keine Lust hätte, mich für den Rest meines Lebens zur Therapie nach Köln zu fahren. Ich solle gefälligst meinen Behindertenführerschein machen ..“

Und Peer ließ sich nicht lumpen. Der ehemalige Porsche-Fahrer meldete sich erneut zur Prüfung an und absolvierte diese mit Bravour. Heutzutage fährt er zwar mit weniger PS, dafür aber mit Knauf am Lenkrad!

„Auf einmal war ich wieder unabhängig“, sagt er. „Autofahren ging schließlich leichter als Laufen! Es war eine echte Selbstbestätigung und ein gewaltiger Schritt nach vorn für mich.“

Der nächste Schritt nach vorn steht gerade bevor! Sein Therapeut Tom Séché hatte Kontakt zu einer Schweizer Firma mit dem Namen „Hocoma“, die einen neuartigen Robotarm entwickelte.

„Das Entscheidende dabei ist, dass Gehirnzellen dadurch aktiviert werden“, erklärt Peer Augustinski und freut sich über die ersten verblüffenden Erfolge.

Die abgestorbenen Gehirnzellen sind von aktiven gesunden Gehirnzellen umlagert, die aktiviert werden müssen. Das geschieht nur durch einen Lernerfolg! Das Problem der klassischen Therapie: der Therapeut unterstützt jede Bewegung und der Patient – und damit auch das Gehirn- hat das Gefühl, dass der Therapeut diese Bewegungen macht. Es wird nicht gelernt und somit nichts oder nur wenig aktiviert. Mittels eines „Videospiels“ am Computer, das durch den Robotarm gesteuert wird, ist der Patient selbst gefordert und hat nicht das Gefühl des „helfenden und unterstützenden Therapeuten“. Die gesunden Gehirnzellen lernen tatsächlich!

„Der Robotarm wird kalibriert“, beschreibt Peer Augustinski den technischen Vorgang, „meine tatsächlich vorhandenen Bewegungsspielräume damit festgelegt. Und dann muss ich am Bildschirm bestimmte Bewegungen ausführen, zum Beispiel Wassertropfen mit einem Glas auffangen,  ein Ei mit dem richtig dosierten Griff in eine Bratpfanne transportieren oder einen Apfel in einen Einkaufswagen legen.“

Mit spielerischem Ehrgeiz lernt der Patient, wie er seine unkoordinierten restlichen Kräfte wieder kontrollieren kann. Er hat nicht das Gefühl, dass der Therapeut diese Bewegungen macht! Er lernt selbst und der Erfolg kann umwerfend sein!

„Nach einigen Sitzungen bin ich erst mal in den nächsten Supermarkt gegangen und habe das Äpfeleintüten ausprobiert“, schmunzelt Peer Augustinski. „Hat noch nicht so richtig geklappt, aber dafür kann ich mittlerweile mein Auto wieder selbst tanken!“

Und auch Gisela Augustinski ist begeistert: „Fortschritte werden erzielt“, bestätigt sie und nimmt ihren Mann liebevoll in den Arm.

„Neben  dem Ansporn, den meine Frau mir tagtäglich vermittelt, haben wir auch eine neue Herzlichkeit entwickelt“, sagt Peer. „Es ist durch meinen Schlaganfall auch ein unsichtbares Band zwischen uns beiden entstanden. Wenn jetzt noch eine Besserung durch den Robotarm eintritt, kann ich diesem Schicksal sogar noch etwas Positives abgewinnen…auch wenn es schwer fällt!“

Das Auf und Ab, die Höhen und Tiefen, die Reaktionen der Umwelt und die Perspektiven im Leben eines plötzlich Behinderten hat Peer Augustinski in einem Buch beschrieben. Unter dem Titel „Aus heiterem Himmel“ kommt es im März 2010 auf den Markt und zeigt nicht nur den Blickwinkel des Patienten, sondern auch den des Therapeuten und der therapeutischen Möglichkeiten auf.

Übrigens: Nicht nur für Schlaganfallpatienten, auch für Nervenerkrankungen und Verletzungen ist der Robotarm eine therapeutische Hilfe! Wer mehr über die Möglichkeiten erfahren will, sollte sich mit Tom Séché bei Integrad in der Rehanova Köln (0221.27844035) in Verbindung setzen!

Christian Pantel

 

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