- so möchte man die diesjährige Ansammlung von Veteranen aus dem Beginn des automobilen Zeitalters titulieren. Perfekt organisiert von Heinz Elfers, dem AMC und zahlreichen Helfern von Feuerwehr und THW, präsentierte sich ein „rollendes Museum“ mit Exponaten aus den Jahren 1900 -1917 in Ibbenbüren.
Nicht synchronisierte Getriebe, Bremsen bei den jeder Tritt auf das Pedal einem Kraftakt gleicht und Holzlenkräder mit Schraubenspindellenkungen prägen diese Zeit. Servolenkung, Bremsassistenten oder Airbags sucht man hier ebenso vergebens wie elektronisches ABS, EPS oder Xenon Licht. Das Fahrzeugheck teilweise in blaue, müffelnde Abgaswolken gehüllt und mit dem Sound vom Zweitakter bis zum satten Klang eines 11 Liter Hubraum Motors, präsentierten sich Urgesteine der frühen Jahre der mobilen Evolution. So trafen 40 Oldtimer mit ihren Fahrer/In und Beifahrer/In aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern zum 17. Ibbenbürener Schnauferl-Treffen ein und boten dem mehr als begeisterten Publikum ein Nostalgietreffen der besonderen Art. Keines der Veteranen zeichnet weniger als 83 Jahre Lebenszeit und zeigte sich mit wenigen Ausnahmen in so guter Verfassung, dass man glauben mochte, die Fahrzeuge kämen geradewegs vom Werk. Dabei lasen sich die Fahrzeugmarken zunächst wie der Auszug aus den heutigen Herstellerverzeichnissen. Waren hier Klassiker aus den Werkstätten von Mercedes, Ford, Opel oder Bugatti angereist, tauchten daneben eher so seltene und dem Wandel der Zeit nicht überlebten Herstellern wie Delagé, Krit, Fuller, Stoewer und noch viele mehr am Hauptveranstaltungsort auf. Ein Clément-Bayard 4C, Baujahr 1907, konnte am Veranstaltungstag seinen exakt 100ten Geburtstag feiern. Wie frisch vom Band gelaufen, boten die überwiegend offenen Oldtimer einen einzigartigen Anblick auf dem zu einem Nostalgiemarkt hergerichteten Kirchplatz zu Ibbenbüren. Jedes historische Fahrzeug wurde unter den Augen einiger hundert Zuschauer von Moderator Bernd Udo Seiffarth begrüßt und kompetent und kurzweilig kommentiert.
Die Automobilisten nutzen das dreitägige Treffen zu einem Wiedersehen mit Freunden und Gleichgesinnten. Natürlich blieben dabei die Fachgespräche rund um ihr gemeinsames Hobby nicht aus. Auf dem Programm standen daneben einigen Wanderfahrten durch das Tecklenburger Umland, wobei die Vehikel bei vielen Schaulustigen für Begeisterung pur zu sorgten. An den Zielpunkten der Wanderfahrten konnten Interessierte ihre Nasen in und die Augen auf grandiose Karosserien, mechanische Perfektionen und noble Ausstattungen der Klassiker werfen. Trittbretter, Speichenräder und gelegentlich eine Gesamtkarosserie aus Holz prägten ebenso das Äußere wie die übermächtigen Scheinwerfer mit Azytelenflammen und elektrischen Lampen. Individuelle Ausstattungen wie Schirmständer, Werkzeugkisten, Reisekoffer geben jedem Fahrzeug zusätzlich eine besondere Note. Bequemlichkeit, ein Hauch von Luxus und frische Luft wurde bereits am Anfang der Motorisierung groß geschrieben. Mächtige Lederpolster und in der Regel vorhandene Klappverdecke sind bei den meisten der Fahrzeuge Standard.
Ein Blick in die Motorräume der Veteranen verrät ein besonderes Detail - Hubraum statt Geschwindigkeit. Mit Motoren von 1000 bis 11000 ccm, aus denen zwischen 5 und 60 Pferdestärken rausgekitzelt wurden, durften die damaligen Reisenden eher dahingleiten anstatt zu Rasen. Spitzengeschwindigkeiten von etwa 60 Km/h waren eher die Ausnahme. Der überwiegende Teil der historischen Fahrzeuge schaukelte seine Passagiere mit weit geringeren Höchstgeschwindigkeiten über die damaligen Straßen. Zum Schluss des Treffens starteten die Teilnehmer zu einer großen Rundfahrt in das Ibbenbürener Umland. Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Verdecke geöffnet, die Magnetschalter eingeschaltet und die Motoren der Oldtimer angekurbelt, um zur letzten Ausfahrt für dieses Wochenende in einem großen Korso zu starten.
Plötzlich war es da, das Glänzen in den Augen der teilnehmenden Automobilisten, darunter auf eine Frau, als wenn Kinderträume wahr werden. Schnell sprang der Funke auf alle Beteiligten über. Grenzenloser Enthusiasmus machte sich breit. Wenn man die Gelegenheit bekommt, in einem dieser Klassiker mitfahren zu dürfen, durchlebt man ein extrem belebendes Gefühl dafür, wie sich zu Zeiten der automobilen Sternstunden die Reisenden gefühlt haben müssen. Sämtliche Sinne werden plötzlich wach und im „Rausche“ der Geschwindigkeit von maximal 40km/h, genießt man seine Umwelt auf eine andere und besondere Weise. Dennoch war zu beobachten, dass insbesondere bei den überwiegend männlichen Fahrern, davon die meisten im Seniorenalter, der Ergeiz zu einem Wettrennen auf der Landstraße aufkam. Eben der Spaß und die Freude an ihrem Oldtimer standen einmal mehr im Vordergrund der gesamten Veranstaltung.
Nach einem Zwischenstopp im Bergbaumuseum der DSK AG Ibbenbüren trat man die Rückreise zum Ausgangspunkt, dem Gelände der Verkehrsbetriebe der RVM an, wo die „guten Stücke“ nun wieder für den Heimtransport auf Hänger verladen wurden.
Bis zum nächsten Event - allzeit gute Fahrt - gemäß dem Motto „Nichts nutzt die Eile - man starte zur rechten Zeit.“ (Julius Lafontaine)
Daniel Döhring
ENSPress NRW
Fotos: Copyright by Daniel Döhring