Ibbenbüren , Kreis Steinfurt: Ein besonderer Höhepunkt im diesjährigen Kulturprogramm der Stadt Ibbenbüren, war der Auftritt des „Traumtheaters Salome“ im Bürgerhaus Ibbenbüren. Harry Owens, der Gründer des Phantasietheaters, machte mit seinem „Theater der lebendigen Bilder“, bereits zum zweiten Mal Station in der westfälischen Stadt am Teutoburger Wald. Vor einem ausverkauften Haus führte Owens das Publikum an den Rand der Zeit und ließ jeden Augenblick in Farbenpracht und mit viel Phantasie neu entstehen.
„Wir sind aus solchem Stoff, aus dem die Träume sind“ so erklärte Harry Owens mit sonorer, unter die Haut gehender Stimme seinen Zuschauer. Der „Merchand of the Clouds“ verteilte zu Beginn seiner Erzählungen imaginäre goldener Äpfel und forderte die Auserwählten auf diese, während er seine Geschichte erzählt fest zu halten. Wenn die so Erwählten alles gesehen, erlebt und gehört haben, sollten diese zurückgegeben werden, denn er wird die goldenen Äpfel in ihren Augen wieder finden. Owens spielte hierbei sicherlich auf die funkelnden und glänzenden Augen der Zuschauer, nach einer zweistündigen Reise durch den „Garten der Träume“ an. Ein anmutender Farbenrausch, eine prachtvolle die Sinne anregende Szenerie aus kunstvoll - stilistischer Harmonie und Phantasie. Unter den stets wechselnden modernen, folkloristischen und klassischen musikalischen Untermalungen lies Owens den Zuschauer in teils mystischen, teils fröhlichen Bildern, künstlerisch geleitet von Viktoria Bart, durch eine Welt der Träume wandeln. Die in Perfektion und Harmonie zusammen wirkende Einheit des gesamten Ensembles, war geprägt von einer grandiosen Mischung aus Akrobatik, Ballett und Pantomime. Künstlerisch gelungen, entführte das Theater die begeisterten Zuschauer über den Bazar der Möglichkeiten und des Machbaren, durch die Welt seiner Wünsche, Freuden und Ängste.
Die Reise der Träume und Wünsche führte das Publikum durch die Kontinente von Europa über Asien bis in die arabische Welt. Die aus Russland, der Ukraine, Ägypten und Deutschland kommenden Akteure demonstrierten dem Publikum eindrucksvoll wo die Grenzen der menschlichen Physik liegen und reizten die anatomischen Begrenzungen vollkommen aus. Mit schier unglaublicher und beeindruckender Körperbeherrschung verbog sich die „Schlangenfrau“ und ein sich minutenlang als lebendiger Kreisel drehender „Derwisch“, raubte so manchem Zuschauer den Atmen. Durch den, zwischen den einzelnen Szenen immer wieder auftauchenden pantomimischen Clown, gab es für den so atemlosen Betrachter jedoch Gelegenheit Zeit zum Luftholen. In einer imposanten Bildsprache zeigten sich gleichwohl eindrucksvoll, weitere Akteure als Pantomimen mit schwebenden Kugeln, Akrobaten, Artisten und Tänzer in Ballett und modernen Choreographien.
Dem unausweichlichen Ende entgegen reisend, ergab sich nun das große Treffen der gesamten Akteure auf der Bühne. Ein Vielfalt von Tänzern, Fabelwesen und Akrobaten suggerierten dem „mitgereisten“ Publikum mit der symbolischen getragenen Erdkugel „Wir sind alle von einer Welt“ und boten ein furioses farbenfrohes „Grand Finale“. „Wir sind die, die mit den Wolken ziehen“ so Owens in der Rolle des Erzählers und sah nun, die zu Anfang seiner Geschichte ausgeteilten Äpfel in den Augen der Zuschauer, denen er empfahl, die Äpfel mitzunehmen damit sie diese in den Augen der Anderen sehen können. Insgesamt entrückt das Traumtheater Salome seine Zuschauer mit all seinen wunderbaren
Eindrücken, lebendig gewordenen Phantasien und Träumen, für einen Moment in eine Welt die noch in Ordnung scheint. Hier musste man nicht werden, hier konnte man endlich sein.
Der „Wolkenhändler“ Harry Owens war im Ursprung Maler. Er schrieb und erlernte das Theaterhandwerk an der Budapester Operette. Mit der Idee eines eigenen Traumtheaters verwirklichte Owens 1980 seine Vorstellung der Verwandlung von Leinwandbildern in lebendige Traumbilder. Die Uraufführung des Traumtheaters Salome fand 1982 in Köln statt. In den folgenden Jahren machte „Salome“ Stationen in vielen Städten. In Köln spielte Owens kleine Welt auf dem Rhein, in Hamburg einer Pontoninsel, in Berlin an und auf der Spree. Hier und auf seinen Gastspielreisen begeisterte er zwischenzeitlich Millionen Besucher.
„Seid glücklich...“ waren stets die Worte des Erzählers und Poeten. Salome wurde zum übergreifenden Gefühl der Generationen. Owens versteht sich in seiner Rolle auch als Vermittler der Kulturen und Nationen. So spielen bei Salome Künstler verschiedenster Kulturkreise und Nationalitäten darunter beispielsweise europäische, arabische und israelische, gemeinsam und friedlich nebeneinander. „Es ist ja auch nicht so, dass jeder der orientalisch aussieht, gleich mit einer Rakete schießt“ so Owens.
Bei der Auswahl der Künstler teilt Owens sich die Arbeit mit seiner künstlerischen Leitung Viktoria Bart. Beide reisen um die Welt und suchen sich aus den Artistenschulen die talentiertesten Künstler aus. Wichtig hierbei ist für Owens, dass die Künstler noch keine Erfahrungen mit dem Zirkus oder den Bühnen der Welt haben. Die Künstler erhalten dann ein Arrangement für ein Jahr und die Möglichkeit sich bei Salome zu entfalten und zu festigen. Danach gehen viele an die großen Zirkusse und Bühnen in aller Welt.
In dem vergangenen Jahre entsprangen Owens Kopf jedes Jahr eine neue Inszenierung für das Traumtheater. Die Ideen hierfür resultieren aus dem Umstand, dass der Künstler und Poet, durch seine philosophische und emotionelle Art, Dinge aus anderen Perspektiven sieht.
Jedoch ruht sich der „Gründungsvater“ von Salome nicht auf dem Erfolg seiner Arbeit aus. Im Grundgedanken der „Akademie der schönen Künste“ möchte Owens vor allem auch junge talentierte Akteure fördern, artistische Künste bewahren und pflegen. In der Absicht Salome später zu einer Stiftung zur Förderung junger Künstler zu machen wird sich das Traumtheater Salome jetzt in Berlin niederlassen, so Owens.
Daniel Döhring, ENSPress-NRW
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