Stolz steht Familie Pleitgen vor der Buchhandlung in der Papenhuder Strasse in Hamburg. Das gesamte Schausfenster ist mit dem Kriminalroman „Freitags isst man Fisch“ dekoriert, das Ulrich Pleitgens Sohn Ilja Bohnet und seine Ehefrau Ann Monika Pleitgen zusammen geschrieben haben.
„Und in der Papenhuder Strasse beginnt unser Krimi“, strahlen Mutter und Sohn und freuen sich über den Erfolg, denn der Argument-Verlag hat schon die Folgegeschichten der „ermittelnden Studentin Nikola Rührmann“, Hauptfigur des Krimis bestellt. Der Ariadne-Kriminalroman geht in Serie!
„Ich hätte das wirklich nicht gedacht“, gesteht Schauspieler Ulrich Pleitgen, der im Fernsehen ebenfalls bei „Die Männer von K3“ ermittelnd tätig ist, ein. „Heutzutage ist es so schwer, sich als Künstler, Musiker, Schauspieler oder Schriftsteller durchzusetzen. Ich glaubte zwar an ein gutes Buch, hätte aber nie erwartet, dass ein Verlag damit in Serie geht und meine Frau und mein Sohn jetzt schon am zweiten Buch sitzen.“
Ann Monika Pleitgen, die schon als Kind Kurzgeschichten schrieb, und Sohn Ilja, der als Physiker bei DESY arbeitet, wurden ein echtes Autorenteam. Mit allen Höhen und Tiefen kämpften sich Mutter und Sohn durch das Werk. Fernsehkommissar Ulrich Pleitgen war, wie er sagt, nur als Wortgeber und gefragt, wenn mal eine Formulierung verbessert werden sollte. Ansonsten veränderte sich das Privatleben der Familie Pleitgen überraschend. Man lernte sich völlig neu kennen, Aufgaben mussten neu verteilt werden!
„Das ging im Haushalt los“, erklärt Ulrich Pleitgen. „Bei Ann Monika und mir ist das Privatleben partnerschaftlich organisiert. Wer Zeit hat macht den Haushalt und den Einkauf. Wenn ich zu Dreharbeiten, Lesungen oder in Studio zu Hörspielaufnahmen muss, hat meine Frau unsere Wohnung im Griff. Auf einmal hörte ich „Keine Zeit, muss schreiben!“. Damit war ich beim Waschen, Staubsaugen und Aufräumen voll in der Pflicht!“
„Ich musste ja erst mal den Computer begreifen“, erklärt Ann Monika Pleitgen. „Ich habe mich niemals mit Emails und Laptop beschäftigt! Ohne das geht es ja heutzutage gar nicht mehr!“
„Mittlerweile hat meine Frau zwei Webmaster, pflegt meine Website und archiviert meine Filme noch nebenbei digital“, ergänzt Ulrich Pleitgen. „Ich habe Ann Monika in dieser Hinsicht völlig neu kennen gelernt und sehr viel Respekt vor ihrem Engagement. Ich verstehe nullkommanull von diesem Computerkram, für mich böhmische Dörfer! Hinzu kommt, dass sie mit Ilja genauso genommen vor einem leeren Blatt Papier saß! Als Schauspieler habe ich ein Drehbuch und interpretiere eine bereits vorhandene Figur. Ilja und Ann Monika haben sich diese Figuren selbst ausgedacht … es ist einfach toll, was die beiden gemacht haben. Ich bin beeindruckt!“
Man sieht, von Ehekrise keine Spur! Ulrich Pleitgen gehört nicht zu den Männern, die ihre Frauen artig am Herd sehen wollen! Er unterstützt, wo er nur kann und lebt mit Veränderungen auch in fortgeschritteneren Jahren gern.
„Alter findet in unserer Familie nicht statt“, sagt Ulrich Pleitgen. „Entscheidend ist doch, was sich nur im Kopf abspielt und was auf dem Papier. Wir alle sind flexibel geblieben und lieben unsere Arbeit. Ich verstehe meinen Sohn und meine Frau nur zu gut, wenn sie sich an neue Aufgaben heranwagen. Ich mache das auch immer gerne wieder und an Rente denkt hier niemand!“
Doch nicht nur arbeitstechnisch veränderte sich die Situation in der Familie Pleitgen, auch zwischenmenschlich lernte man sich neu kennen. Durch das intensive Zusammensein und der gemeinsame Prozess des Schreibens kamen sich Vater und Sohn und Mutter und Sohn auf ganz neue Weise näher. Vergangenheit wurde aufgearbeitet, Zukunftsplanungen entwickelt und Gespräche festigten das Verhältnis der Familie noch mehr.
Interview Ann Monika Pleitgen – Sohn Ilja Bohnet |
Herr Bohnet, Sie sind eigentlich Physiker, wie kommen Sie zum Schreiben eines Buches? IB: Die Idee hatte ich schon lange. Wir kamen 1985 nach Hamburg und ich liebe diese einmalige Stadt. Hier gibt es so viele unterschiedliche Stadtteile, Szenen und Milieus, dass mir ein Hamburg-Krimi als Idee schon immer im Kopf herumspukte. Und wie kamen Sie mit ins Spiel, Frau Pleitgen? AMP: Ilja berichtet mir von seinem Vorhaben und erzählte mir die Geschichte. Bei diesem Gespräch brachte ich eine andere Sichtweise ein. Ilja ist Physiker, geht streng logisch und männlich rational vor. Ich habe eher die weibliche Sichtweise – emotional und menschlich. Außerdem liegt eine Generation zwischen Ihnen…
INFO FÜR PRINT-REDAKTIONEN ! | Dieses Interview unterliegt dem Copyright "Pressebüro Pantel"! Gesamte oder auszugsweise Verwendung nur nach Rücksprache: 040.72730250 pantel@perfect4all.de | AMP: Was nicht entscheidend ist. Der Krimi ist „jung“! Ich glaube, wir alle in der Familie Pleitgen sind jung geblieben und können uns in jede Altersgruppe hinein denken . IB: Aber natürlich ist er auch für ältere Leser interessant, das Buch ist generationsübergreifend. Meine Mutter hat eine unwahrscheinliche Begabung, die ich an ihr vorher noch nicht kannte. Sie bleibt an den Dingen dran, sie findet intuitiv Fehler bei den Figuren. Sie gab mir einen völlig neuen Blick und korrigierte mich, wenn Handlung und Charakter der Figuren nicht hundertprozentig passten. Sie hat wunderbare Ideen für Details. AMP: Wobei Ilja den roten Faden verfolgte. Ich würde mich in der Geschichte verlieren, die er stringent fortführt und dabei den Überblick behält. Das hört sich ja nach einer ganz tollen Autoren-Kombination an… IB: Das sind wir beide auch … Und es gab keinen Ärger beim Schreiben? AMP: Oh doch! Wir haben uns des Öfteren gefetzt! IB: Einmal waren wir sogar dermaßen wütend, dass wir abgebrochen haben. Aber genau das ist der Prozess! Man muss sich zusammenraufen und auch das macht ein Buch lebendig und interessant. Was ja sicherlich zwischen Mutter und Sohn noch intensiver ist? IB: Man kennt sich natürlich nur aus der Mutter-Kind-Situation. Auch wenn man im Laufe der Jahre erwachsen wird, bleibt man der Sohn und die Mutter die Mutter. Nun geschah etwas Neues, wir waren ein Team. AMP: Da muss man sich neu positionieren! Sachliche Diskussionen ersetzen Mutter-Sohn-Gespräche. Inhaltliches steht an erster Stelle. Da wird hart argumentiert und man sagt dem anderen auch, was man für falsch hält. IB: Ich glaube, dass wir unser Mutter-Sohn-Verhältnis wesentlich weiter entwickelt haben. Ich habe meine Mutter von einer völlig neuen Seite kennen gelernt, einen völlig neuen Blick für sie entwickelt. Ohne sie wäre das Buch niemals so gut geworden. |
Doch nicht nur Sohn Ilja und Ulrich Pleitgen lernten Mutter und Ehefrau neu kennen. Auch zwischen Vater und Sohn entstanden neue Gespräche. Schließlich ist Ulrich Pleitgen eine sehr charismatische Persönlichkeit, der seinen Sohn in der Jugend stark beeinflusste. Gerade Literatur, Geschichte und natürlich auch das Krimigenre, in das Ulrich Pleitgen als Schauspieler immer wieder gerne eintaucht, gaben Ilja viele Ansatzpunkte im kreativen Bereich.
Interview Ulrich Pleitgen – Ilja Bohnet |
Herr Bohnet, Sie sind eigentlich Physiker und haben mit „Kunst“ so gesehen doch wenig zu tun… IB: Das stimmt so nicht. Ich komme aus einem literarischen Haushalt. Schauen Sie sich inder Wohnung meiner Eltern um: Bücher über Bücher…so sah es früher auch schon aus. Schon als ich Kind war, haben wir uns gegenseitig die Tim-und-Struppi-Geschichten vorgelesen. Außerdem habe ich mich natürlich am Beruf meines Vaters orientiert. Ich kann mich noch gut an unsere gemeinsamen Fernsehabende erinnern und war bei den Theaterpremieren meines Vaters stets dabei!Ihr Sohn ist aber kein Schauspieler geworden? UP: Er stand als Schauspieler schon im Alter von elf Jahren mit mir auf der Bühne, hat im Kinderfernshen mitgemacht, spielte bei der Rappelkiste und der Sesamstraße mit! War das eine schöne Kindheit für Sie, Herr Bohnet? IB: Oh ja! Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Erlebnisse mit meinem Vater. Stundenlange Wanderungen und Gespräche. Mein Vater hat mich an Bücher, Politik und Geschichte herangeführt. Wir haben über Alltägliches geredet und er hat mir beigebracht, es auch kritisch zu hinterfragen. Ulrich hat mich sehr geprägt, insbesondere darin, die Dinge gerecht, im Sinne von „richtig“, sehen zu wollen. INFO FÜR PRINT-REDAKTIONEN ! | Dieses Interview unterliegt dem Copyright "Pressebüro Pantel"! Gesamte oder auszugsweise Verwendung nur nach Rücksprache: 040.72730250 pantel@perfect4all.de | Aber Sie sind nicht in seine Fußstapfen getreten? UP: Obwohl er sehr begabt war! IB: Ich fand mich nicht so begabt und mir war das mit der Schauspielerei auch zu stressig. Sie hat mich nicht so fasziniert. Ich war als Jugendlicher auf der Suche nach Ordnung im Chaos, mir schien die Physik da überschaubarer. UP: Was ich sehr gut verstehe! Deswegen mag ich die Fernsehwelt. Film ist ein geregelter Mikroikosmos und Dreharbeiten eine abgeschlossene eigene Welt mit klar definierten Richtlinien. Sie waren als nicht sauer, dass Ihr Sohn das Schauspielen schmiss? UP: Überhaupt nicht, wir halten in unserer Familie den Freiheitsgedanken hoch, jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen und wird zu nichts gezwungen. Keine Reibungen in der Pubertät? UP: Alles im normalen Rahmen. Wenn ich Schwarz sagte, hat Ilja Weiß gesagt und anders herum. Vielleicht, weil Sie auch ein sehr präsenter Vater waren? IB: Natürlich war mein Vater ein sehr großes Vorbild, an das ein Sohn erst mal heranreichen muss. Ich habe als Kind in der Schule beispielsweise Streit gehabt, weil jemand anderes sagte, dass ein anderer Schauspieler viel berühmter als mein Vater war. Das konnte ich natürlich so nicht stehen lassen. Niemand war berühmter als mein Vater! UP: Väter sind für Reibungen zuständig, Mütter für die Gefühlswärme. Ein Sohn muss sich von beidem absetzen und ein eigenes Leben beginnen. Ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen, weil ich damals gezwungenermaßen beruflich viel unterwegs war. Der berufliche Ehrgeiz steht dem Familienmenschen gegenüber. IB Vater sein ist eine ungeheuere Herausforderung, die Anwesenheit allein macht es nicht! Ich habe Uli stets als extrem verantwortungsvollen Vater in Erinnerung gehabt und versuche das auch bei meinem fünfjährigen Sohn zu sein. Klar, mein Vater war auch immer eine Herausforderung für mich. Aber er war vor allem auch ein guter Sparringspartner! Und ist es heute auch noch! Er hat auch heute noch eine Vorbildfunktion im beruflichen Bereich? UP: Quatsch! Von Physik habe ich keine Ahnung…. IB: Aber ich habe keine Folge von „Die Männer von K3“ verpasst! Alle gesehen und aufgezeichnet! Und meine berufliche wissenschaftliche Neugier bei der Forschung hat eindeutig was mit Kriminologie gemeinsam. Man ist kreativ, recherchiert und ermittelt! Mein Vater hat einfach noch immer Einfluss und ich freue mich darüber, dagegen kann mein Vater gar nichts tun. Das Schreiben des Buches hat mir auch in dieser Beziehung die Augen geöffnet. UP: Aber ich habe mit dem Buch nun wirklich kaum etwas zu tun und war nur der „Alternativvokabelfinder“! IB: Das ändert sich vielleicht bald…Mutter und ich denken bereits über ein Drehbuch nach! UP: Ach? Und welche Rolle soll ich da spielen? IB: Du spielst unseren strengen „Hauswirt“, der in jeder Szene immer wieder auftaucht: der will alles wissen und mischt sich überall ein, das ist die Idealrolle für Dich … UP: Wie bitte??? IB (lachend): …der ist aber auch sehr wohlwollend, hat sehr viel Herz und liebt Tiere! Mach Dir keine Sorgen! Oder würdest Du Deinem Sohn etwas eine Rolle abschlagen, lieber Vater? |
Wer mehr über den „Hauswirt“ und die aufregenden Ermittlungen von Nikola Rührmann erfahren möchte, sollte sich unbedingt das Buch „Freitags isst man Fisch“ kaufen…
Christian Pantel